Herr Hanf darf kein Cannabis mehr im Hochhaus anbauen

Er nannte sich einmal Herr „Kunz“ und einmal „Herr Hanf“. Unter diesen Alias-Namen mietete der 31jährige Ingenieur Lucas B. in Hessen in einem Hochhaus zwei Wohnungen an.

Jetzt stand er wegen Drogenanbaus und bewaffneten Drogenhandels vor dem Landgericht Frankfurt. Mindeststrafe: 5 Jahre.

Neben seiner Hingabe zur Technik blühte auch die Hingabe zu Cannabis. Diese beiden Interessen verband er recht zweckmäßig, wie sich im Prozess vor dem Landgericht Frankfurt nun herausstellte:

So zog er die Setzlinge in einer Wohnung (Herr Hanf), in der anderen (Herr Kunz) brachte er sie zur Ernte. Dabei baute er eine aufwendige technische Anlage bestehend aus einer Bewässerung mit Zeitschaltuhren, Wärmeanlage und Mikro-PCs.

Innerhalb 3 Jahre erntete der wissenschaftliche Mitarbeiter einer Hochschule so ganze 17 Kilo Hanf, das Gramm verkaufte er für 4,50 Euro.

Die Wohnung „Kunz“ fliegt im März auf, dazu ein Polizist: „Alles war voller Schläuche, Lampen, Belüftungsanlagen – ich dachte, ich bin bei der NASA.“

Die Beamten trugen letztlich 383 Stauden aus dem Appartement. Zu dieser Zeit hatte die Polizei noch keine Erkenntnisse, welche auf den Elektrotechnik-Ingenieur deuten würden.

Ein Jahr später wird auch die Wohnung „Hanf“ entdeckt und Herr B. mit 1,63 kg Gras festgenommen. Zudem finden die Beamten einen Schlagstock in seiner Herren-Handtasche. Aufgrund des Waffenfundes erwarteten R. mindestens 5 Jahre Gefängnis!

Im Prozess konnte der Angeklagte jedoch glaubhaft darlegen, dass er den Schlagstock nicht zur Verteidigung des Rauschgifts mit sich führte, sondern um sich vor dem gewalttätigen Freund seiner Geliebten zu schützen. Zudem legte „Herr Hanf“ ein umfassendes Geständnis ab, seine Berufsaussichten sind gut. Der Staanswalt merkte an: Sollte der Anbau von Cannabis-Pflanzen irgendwann legal sein, wäre B. der richtige Mann dafür. Für die richtige Zeit, „wann man eine Pflanze in die Blüte schickt“, hatte Lucas B. zwei Jahre lang geforscht.

So seien die ersten Ernten verbrannt, später sei es dann besser geworden. Selbst Richter am Landgericht Frankfurt Klaus Eckhardt bescheinigte dem Angeklagten: „Sie haben gute Qualität zu fairen Preisen verkauft.“

„Herr Hanf“ kam mit 2 Jahren auf Bewährung und einer Geldstrafe von 4800 Euro noch verhältnismäßig gut aus der Sache raus. Der Vowurf wurde auf Drogenhandel in einem minder schweren Fall reduziert.

Richter Klaus Eckhardt: „Er ist eher ein Tüftler, ein Nerd, der seiner Bastel-Leidenschaft fröhnte.“

Quelle: FAZ vom 28.07.2014

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