Vibrator als Kündigungsgrund

Foto: Rainer Sturm / pixelio.de

Die Angestellte eines Supermarktes präsentierte stolz ihr neues Spielzeug – einen Vibrator. Zuerst wurde dieser den Vorgesetzten vorgeführt, dann den Kolleginnen. Der Arbeitgeber sprach die Kündigung aus.

Beide Vorfälle ereigneten sich im Pausenraum des Geschäftes. Dennoch waren die lebhaften Schilderungen der Vorzüge des neuen Sexspielzeuges auch für Kunden zu hören. Diese ließen sich von der Vorführung interessiert unterhalten. Der Arbeitgeber sah die Geschehnisse als inakzeptabel an und sprach der Beschäftigten die fristlose Kündigung aus. Das Zurschaustellen des Vibrators vor Vorgesetzten und Kunden sei eine sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz.

Dieser Ansicht schloss sich das Arbeitsgericht Frankfurt an: „Allein das Mitbringen und Vorzeigen sexuell motivierter Gerätschaften an der Arbeitsstelle kann bereits eine sexuelle Belästigung und daher Grund für eine fristlose Kündigung sein. Dabei muss auch nicht grundsätzlich vorher eine Abmahnung ausgesprochen werden.“

Die fristlose Kündigung der freizügigen Mitarbeiterin war damit gerechtfertigt.

Fundstelle:
Arbeitsgericht Frankfurt (Main) – Aktenzeichen: 19 Ca 2539 / 05 (aus August 2005)

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  • Pieta

    Vielleicht das nächste Mal noch dazu schreiben, dass dieses Urteil aus dem Jahr 2005 und somit schon fast zehn Jahre alt ist.

    • Stefan Maier

      Hallo Pieta,

      vielen Dank für die Anmerkung. Ich habe eine entsprechende Angabe im Artikel ergänzt.
      Generell kann man sich bei der Aktualität der geschilderten Urteile anhand der Kategorien unseres Blogs orientieren. Neue Urteile ordnen wir in der Kategorie „Nachrichten“ ein. Schon länger vergangenes hingegen landet unter „skurrile Urteile“ oder „Recht schlüpfrig“. Auch gibt natürlich (wie hier) das Aktzenzeichen oft einen Hinweis auf das Jahr der Entscheidung.

      Viele Grüße
      Stefan Maier

  • “ Auch gibt natürlich (wie hier) das Aktzenzeichen oft einen Hinweis auf das Jahr der Entscheidung.“
    Nicht wirklich, sondern nur auf das Jahr, in welchem bei Gericht das Aktenzeichen in der Einlauf- und Registerstelle für ein Verfahren nach Eingang vergibt. Angesichts der quer durch die Rechtswege bekannten statistischen Verfahrensdauer kann aus dem Aktenzeichen nicht wirklch auf das Jahr des Urteils im Verfahren geschlossen werden. Anstelle solcher Erklärungsversuche wäre die Angabe von Aktzenzeichen und Entscheidungsdatum schlicht sinnvoller. Beim konkreten Thema macht es allerdings wenig Unterschied, ob die Entscheidung aus 2005, 2007 oder 2014 stammt, sondern ist eher eine Frage der Abwägung jeweiliger Arbeitsgerichte, ob andere Gerichte ebenso oder anders entschieden hätten oder würden.

  • Stefan Maier

    Hallo Liz Collet,

    vielen Dank für den Kommentar und die Erklärung bezüglich der Aktenzeichenvergabe.

    Beim konkreten Thema macht es allerdings wenig Unterschied, ob die Entscheidung aus 2005, 2007 oder 2014 stammt, sondern ist eher eine Frage der Abwägung jeweiliger Arbeitsgerichte, ob andere Gerichte ebenso oder anders entschieden hätten oder würden.

    Dem möchte ich mich hier absolut anschließen.

    Freundliche Grüße
    Stefan Maier