Vorhaut im Reißverschluss eingeklemmt – kein Schmerzensgeld

Ein 14 Jahre alter Junge kaufte gemeinsam mit Freunden Bier sowie Likör in einem Geschäft ein. Beim gemeinsamen Konsum der Getränke berauschte sich der junge Kläger. Das Trinkgelage führte unweigerlich zum Harndrang. Als der Junge nach dem Urinieren seine Hose wieder verschließen wollte, klemmte er sich seine Vorhaut im Reisverschluss der Hose ein. Die erhebliche Verletzung musste im Krankenhaus behandelt werden. Dort musste die Vorhaut des Jungen operativ entfernt werden.

Daher verlangte der 14 jährige Entschädigung vom Geschäftsinhaber. Dieser sollte 150 € für die beschädigte Hose, sowie 5000 € für die erlittenen Schmerzen bezahlen. Als Begründung wurde angeführt, dass der Verkäufer dem minderjährigen keine alkoholhaltigen Getränke hätte verkaufen dürfen. Der Genuss dieser und der daraus resultierende Rausch seien ursächlich für die erlittene Verletzung gewesen. Der Junge befürchtete ferner Nachteile in Bezug auf sein künftiges Sexualleben.

Der Geschäftsinhaber erwiderte, dass nicht der Genuss der von ihm verkauften Alkoholika ursächlich für die Verletzung des Jungen sein. Vielmehr habe er sich die Vorhaut eingeklemmt, als er aufgrund eines herannahenden Autos seine Hose übereilt habe schließen wollen. Es sei damit seine eigene Schuld gewesen.

Das Gericht lehnte einen Anspruch des Klägers ab. Zwar habe der Verkäufer durch den Verkauf von Alkohol an Minderjährige eine Ordnungswidrigkeit begangen, jedoch sei diese Regelung nicht taugliches Schutzgesetz um einen Schadensersatzanspruch zu begründen. Dies sei mit dem Gesetzeszweck des „Gesetzes zum Schutze der Jugend in der Öffentlichkeit“ Verwahrlosungstendenzen zu verhindern nicht vereinbar.

Das Begehren des 14-Jährigen war in allen Instanzen erfolglos.

Fundstellen:
LG Nürnberg-Fürth, Urteil vom 23.05.2005 – 1 0 190/03
OLG Nürnberg, Urteil vom 12.03.2004 – 6 U 2507/03

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  • Kurios?

    Ich weiß wirklich nicht, was daran eine „kuriose“ Rechtsnachricht sein soll. Ich stelle mir das eher schmerzhaft vor.

    • Andreas Stephan

      Vielen Dank für Ihren Kommentar.

      Kurios ist hier meines Erachtens die Klage gegen den Alkoholverkäufer und die Argumentation, der Verkauf des Alkohols sei ursächlich gewesen für die Verletzung.

      Viele Grüße,
      Andreas Stephan