Ein Anwalt mit Verdauungsproblemen

Nicht alltäglich ist die Begründung, mit welcher eine Kölner Rechtsanwaltskanzlei einem angestellten Rechtsanwalt das Gehalt kürzen wollte: Der Jurist ging zu oft aufs Klo.

Der Arbeitgeber des Rechtsanwaltes führte detailliert Buch über die Toilettenbesuche seines Beschäftigten während dessen Arbeitszeit. Dabei ergab sich eine „Sitzungszeit“ von insgesamt 384 Minuten in einem Zeitraum von 18 Tagen.

Die Toilettenzeiten wurden vom Arbeitgeber auf die Dauer des Beschäftigungsverhältnisses hochgerechnet und man befand, dass der Beschäftigte insgesamt 90 Stunden zu viel auf der Toilette verbrachte. Die üblichen Pausen- und Toilettenzeiten wurden dabei bereits berücksichtigt.

Darauf basierend minderte man dem Anwalt das Nettogehalt um knapp 700 Euro. Dagegen klagte der Anwalt und trug vor, er habe während der betreffenden Zeit unter Verdauungsproblemen gelitten.

Das Arbeitsgericht Köln entschied zugunsten des klagenden Anwaltes und erklärte die Gehaltsminderung für rechtswidrig. Die Verdauungsprobleme des Angestellten stellte das Gericht nicht in Zweifel. Die Zeitspanne der Zeiterfassung wurde als zu kurz bemängelt, auch lehnte das Gericht eine Hochrechnung auf einen längeren Zeitraum als die tatsächliche Arbeitszeit ab.

Die Kanzlei hatte dem Anwalt daher das geminderte Gehalt nachzuzahlen.

Fundstelle:
ArbG Köln, Urteil vom 21. Januar 2010 – Az. 6 Ca 3846/09

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