Trauriger Smiley im Arbeitszeugnis – zur freundlicheren Unterschrift verurteilt

Mit einem ungewöhnlichen Sachverhalt musste sich das Arbeitsgericht Kiel beschäftigen. Ein Ergotherapeut war mit der Unterschrift seines Vorgesetzten auf seinem Arbeitszeugnis nicht einverstanden: Es enthalte einen traurigen Smiley, welcher eine negative Konnotation darstelle.

Im ersten Buchstaben „G“ der Unterschrift des Arbeitgebers erkennt man zwei Punkte und einen Haken. Dieser Haken sei im streitgegenständlichen Arbeitszeugnis nach unten ausgeprägt, womit der Eindruck eines traurigen Gesichtes entstünde.  Auf anderen Dokumenten unterschreibe der Beklagte mit einem nach oben gezogenen Haken, sodass die Unterschrift einen lächelnden Smiley beinhaltet.

Der Beklagte hingegen trug vor, dies sei seine typische Unterschrift, die zwar in gewisser Weise variiere, er aber wiedererkennbar gestalte. Eine wertende Aussage beinhalte sie jedoch nicht.

Das Gericht sichtete den Personalausweis des Unterschreibenden und fand auch dort eine Unterschrift mit einem vermeintlich lachenden Gesicht. Gemäß der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts dürfen Arbeitszeugnisse keine Wortwahl oder Satzstellungen beinhalten, die eine zweideutige Betrachtungsweise der Aussage zulassen. Daraus folgend seien auch etwaige „Geheimzeichen“ unzulässig. Ein trauriger Smiley sei durchaus geeignet einen negativen Eindruck über den Bewerber bei einem potentiellen Arbeitgeber zu vermitteln.

Der Arbeitgeber hat daher eine erneute Ausfertigung des Zeugnisses auszustellen und diese mit einer „lachenden Unterschrift“ zu versehen, wie er sie gemäß Personalausweis und weiterer vorgelegter Dokumente auch im täglichen Geschäftsverkehr gestalte.

Fundstelle:
Arbeitsgericht Kiel, Urteil vom 18.04.2013 – 5 Ca 80 b/13

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  • Franco Venuto

    Arbeitgeber war bestimmt so ein Typ mit farbigem Brillengestell, Lachfältchen, Riesenschnauzbart und Rotweintrinker. Die kommen sich generell witzig vor.