10.000 Euro Schadensersatz und Schmerzensgeld für 100 Stunden Unkraut jäten

Eine Frau kaufte 10 Kilogramm Rasensaatgut in einem Geschäft. Statt des erhofften Grüns kam nur Unkraut aus dem Boden. Die Frau ging zum Verkäufer und beschwerte sich, das Saatgut sei verdorben gewesen. Dieser bot ihr einen neuen Sack Saatgut als Ersatz an und legte ihr dabei nahe, ein Unkrautvernichtungsmittel zu verwenden. Anstatt das zu tun, legte die Frau und spätere Klägerin selbst Hand an und zupfte das Unkraut. Dafür habe sie 100 Stunden gebraucht und sich bei der Arbeit im Arm-Schulter-Bereich verletzt. Sie verklagte das Geschäft vor dem Landgericht Coburg auf Schadensersatz. Die Klägerin wollte 15 Euro Schadensersatz pro Arbeitsstunde und dazu 3000 Euro Schmerzensgeld wegen der erlittenen Verletzung. Außerdem machte sie geltend, sie habe wegen der Verletzung nicht wie sonst üblich im Haushalt tätig sein zu können, wofür sie weitere 5500 Euro Schadensersatz haben wollte.

Das LG Coburg hat die Klage vollumfänglich abgewiesen. Dass das Saatgut verdorben war konnte die Klägerin nicht ausreichend darlegen. Dazu habe ein Sachverständiger herausgefunden, dass das Unkraut unabhängig von der Qualität des verwendeten Saatgutes im Garten der Klägerin gewachsen sei. Die Keime seien bereits vor Aussaat des Rasens in der Erde gewesen. Darüber hinaus konnte das Gericht keinen Beratungsfehler des Verkäufers erkennen.

Fundstelle:
LG Coburg, Urt. v. 09.04.2014, Az. 22 O 266/13

Schlagworte:
, , , , , , ,
  • Ich wundere mich ein wenig über die Feststellungen des Gerichts. Auf diese kommt es IMHO gar nicht an. Für Schadensersatz und Schmerzensgeld ist Verschulden die Voraussetzung, dafür ist mindestens Fahrlässigkeit nötig. Und die sehe ich hier gar nicht bei dem Verkäufer, der nicht Hersteller ist. Einen mangelfreien Sack Saatgut muss er liefern, weiter nichts. Gegen den Hersteller käme aber möglicherweise ein Anspruch aus § 1 ProdHaftG in Frage.