Auf den Hund gekommen – Über 2000 Euro für ein halbes Sandwich ausgegeben

Mit seinen fünf Hunden war ein 43-jähriger italienischer Hundetrainer am 21. Juni 2012 in  Adliswil (Gemeinde im Bezirk Horgen des Kantons Zürich in der Schweiz) unterwegs. Die Hunde hatten freien Lauf, waren nicht angeleint – eine Leinenpflicht bestand für die Örtlichkeit nicht. Einer der Hunde, ein junger Labrador, näherte sich einer Spaziergängerin, sprang an ihr hoch und schnappte nach einem halben Sandwich, das die Frau gerade selbst essen wollte.

Die Frau erhielt vom Hundebesitzer 10 Franken (8 Euro) als Entschädigung dafür. Sie zeigte sich aber damit nicht zufrieden und zeigte den Hundetrainer wegen eines Verstoßes gegen das Hundegesetz beim zuständigen Veterinäramt an.

Die Folge war ein vom Zürcher Stadtrichteramt ausgestellter Strafbefehl gegen den Hundebetreuer über eine Buße von 100 Franken (80 Euro). Der Vorwurf: mangelnde Beaufsichtigung eines Hundes.

Das wiederum wollte der Italiener nun nicht akzeptieren und ging gegen die Buße beim Bezirksgericht vor, unterlag aber dort. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich weitere Gebühren und Verfahrenskosten in Höhe von 1556 Franken (knapp 1300 Euro) angesammelt. Nach Ansicht des Bezirksgerichts unter Berücksichtigung der Aussage der Frau stand fest, dass der Hund dem Befehl des Mannes, zu ihm zurückzukommen, nicht nachgekommen war.

Der Mann sah sich weiterhin im Recht und zog den Fall ans Obergericht weiter. Zu seiner Verteidigung führte er aus, er sei seinen Beaufsichtigungspflichten entgegen der Ansicht der Vorinstanz nachgekommen. Die Frau hätte mit dem Hund „interagiert“ und ihn „durch das Herumfuchteln mit dem Sandwich“ dazu aufgefordert, dieses zu fressen. Dem widersprach die Frau, die selbst Hundehalterin sei, ausdrücklich. Sie sei von dem Hund überraschend angesprungen worden.

Das Obergericht bestätige die Ansicht der Vorinstanz, dass die Situation durch genügende Beaufsichtigung vermeidbar gewesen wäre. Der Mann habe selbst vorgetragen, dass es sich um einen kontaktfreudigen Hund handeln würde. „Indem er um das Wissen des Wesens des Hundes diesen frei herumlaufen ließ“, habe er zumindest in Kauf genommen, dass der Vierbeiner andere Personen belästigen oder anspringen könne. Der Mann habe somit eventualvorsätzlich gehandelt.

Ergebnis: Die Buße von 100 Franken (80 Euro) wurde bestätigt, die Verfahrensgebühren für die zweite Instanz auf 800 Franken (knapp 660 Euro) festgesetzt, so dass der Mann nun neben der Buße und Verteidigerkosten noch zusätzlich 2356 Franken (knapp 2000 Euro) berappen muss.

Quelle:
Neue Zürcher Zeitung vom 27.08.14

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  • sundance

    So eine unverschämte Frau. Keine anderen Probleme als andere Leute wegen Lapalien das Geld aus der Tasche zu ziehen?
    Anzeigen wie lächerlich.

    • baltasar

      Unverschämte Frau ? Wie quer ist das denn.

      Ein total uneinsichtiger Hundebesitzer der auch noch ein Prozesshansel ist. Recht so, fast noch zu billig.

      • Andy

        Seh ich ganz genauso! Viel zu billig weggekommen. Solche Leute sind einfach unbelehrbar.

  • CHARLS

    Mein Auto, mein Hund und ich, das sind die heutigen Standesdünkel vieler „Selbstverwirklicher“.
    Dass Andere dabei zu kurz kommen, wird nicht bemerkt. Gegenseitige Rücksichtnahme wird nur von einer Seite abverlangt. Solche Gerichtsverhandlungen müssten teurer und ein Einspruch nicht zulässig sein

    • Nimulos Maltibos

      Warum? Der Einspruch, wenn erfolglos, macht das ganze ja nur noch teurer.