Hochzeitsvideo gelöscht – Ehepaar klagt auf Wiederholung der Hochzeitsfeier

Ein junges Ehepaar aus Witten (Nordrhein-Westfalen) engagierte für die Hochzeitsfeier ein professionelles Filmteam. Die schönsten Momente wollte sich das Paar immer und immer wieder anschauen können. Der Geschäftsführer des Filmunternehmens habe gesagt, man könne bei einer Hochzeit überall sparen, beim Essen, bei der Musik, beim Saal – aber auf keinen Fall beim Filmteam. Die bewegten Bilder seien doch das Einzige, was von einer Hochzeit übrig bleibe. Das Paar lies sich überzeugen und zahlte 1200 Euro für das Hochzeitsvideo.

Das gesamte Ersparte wurde dabei für den wichtigsten Tag ihres Lebens investiert. Insgesamt über 20.000 Euro sollte die Feier kosten, ein Kredit wurde dafür aufgenommen und etwa 1000 Gäste wurden geladen. Doch nun treffen sich Paar und Filmteam vorm Landgericht wieder: Beim Schneiden des Films soll es zu einem Unfall gekommen sein. Der gesamte Hochzeitsfilm ist gelöscht – viele Stunden Aufnahmen auf drei Festplatten komplett weg. Auch eine „Datenrettungsfirma“ konnte nach Angaben des Filmteams die Aufnahmen nicht mehr wiederherstellen.

„Sie haben mir gesagt, dass die Festplatten stark beschädigt sind. Wahrscheinlich von einem Sturz“, sagte der Bräutigam.

Das Ehepaar möchte nun nicht nur die 1200 Euro Gage für das Filmteam nicht bezahlen, sondern darüber hinaus die gesamte Hochzeit wiederholen lassen – auf Kosten des Filmteams.

An den Originalschauplätzen soll das Fest identisch wiederholt und erneut in ganzer Pracht und Ausdehnung gefilmt werden. Wieder mit den 1000 Gästen, die teils erneut aus dem Ausland eingeflogen würden. Und mit den drei Bands und dem gesamten Essen, darunter unter anderem 600 Hähnchen und zehn Etagen hohes Baklava – dazu noch ein eigens bestelltes Feuerwerk wiederholt werden. Kostenpunkt wieder rund 20.000 Euro die das Filmteam dem Paar ersetzen soll.

Der Anwalt der beklagten Firma wollte sich inhaltlich dazu nicht äußern. Es täte seinem Mandanten leid, doch die Summe, die im Raum stehe, sei überzogen.

Fraglich ist, was das Gericht dazu sagen wird.

Die vereinbarte Vergütung für den nicht vorhandenen Film in Höhe von 1200 Euro müsste das Paar relativ sicher nicht bezahlen – Kein Film – kein Geld, da hier ein Werkvertrag geschlossen wurde, bei dem der Erfolg geschuldet ist. Bei dem Schadensersatzanspruch auf Bezahlung der gesamten Kosten für eine Wiederholung der Feier dürfte es da etwas schwieriger werden, insbesondere mit dem Kausalitätsnachweis zwischen Pflichtverletzung und Schaden. Zudem ist die Bemessung des Schadens fragwürdig: Das Paar ist traurig weil es den Film von der Hochzeit nicht ansehen kann. Ob deswegen gleich die gesamten Kosten für eine zweite Feier vom Filmteam übernommen werden müssen, bleibt abzuwarten.

Fundstelle: Der Westen und Ruhr Nachrichten

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  • Ja ne, ist klar… Drei Festplatten so beschädigt das selbst eine Recovery-Firma NICHTS wiederherstellen konnte?

    Das kann ich mir wirklich nicht vorstellen. Der Fisch stinkt ^^

  • Dave

    @Tobias:
    So gesehen scheint das Verfahren mit den stattlichen Forderungen geeignet, dass sich das Gericht um eine Klärung bemühen wird, wie die Daten so ultimativ abhanden gekommen sein konnten.
    Ich halte es für wahrscheinlicher, dass die Filmfirma kein Recovery-Unternehmen beauftragt hat, denn da kommt ja auch einiges an Kosten zusammen. (Mutmasslich) wird man sich gedacht haben: warum gutem Geld schlechtes hinterherwerfen.

  • Patrol Bear

    Das sagt mir eines: Es wurden sehr minderwertige HDD Magnetfestplatten verwendet und keine SSD’s. Ein schwerer Fehler, wenn es sich um wertvolle Daten handelt.

  • Da ich selber gerade meine Hochzeit plane, kann ich mir gut vorstellen, wie ärgerlich so eine Sache sein kann und hoffe, dass mein Fotograf da mehr Sicherheiten und Sachverstand bietet.

    Was die Höhe des geforderten Schadensersatzes über den unbehebbaren Werkvertragsmangel hinaus angeht, sehe ich aber kaum Erfolgsaussichten für die Kläger, da die haftungsausfüllende Kausalität zwischen Verletzungshandlung und Schaden doch sehr fraglich ist. Auch dürften hier keine nutzlos gewordenen Aufwendungen vorliegen, so dass auch kein Frustrationsschaden oder ähnliches in Frage kommt.

    Bin mal gespannt…

  • Au weia, 3 Festplatten bei Sturz gelöscht und nichts konnte recovert werden? Das ist zumindest ungewöhnlich. Letztendlich führt der einzige Weg zur Datensicherheit über ein Raid und wenn für selbiges Sturzgefahr besteht, am besten noch ein zweites. Wie sich das mit der ausgehandelten Gage vereinbaren lässt, lass ich mal dahin gestellt. Ärgerlich ist es allemal… jetzt bin ich gespannt, wie ein deutsche Gericht entscheidet…

  • Magic Moments

    also, ich hab die thematik gut verfolgt.
    das man seine ganze erinnerung von einem film abhängig macht ist das letzte überhaupt.
    klar ist es ärgerlich wenn man was investiert wofür man nichts bekommt.. aber bei höherer gewalt kann man nichts machen..
    stellt euch vor, an dem hochzeitstag wäre die feierlocation durch ne bombendrohung in der gegend vllt gesperrt.. oder das nebenhaus wäre abgebrannt durch feuerwerk..!( weil ja genau kurz vor silvester viele kids schon mit spielen ).. hätten die dann die feuerwehr, oder so verklagt ?!

    zudem 1200 euro für ein teures filmteam ? qualität kostet. das equipment selbst kostet schon das 5 fache von. ( Abnutzung – Versicherung – Personalkosten usw ).. ich lache bei dem preis.. ich kenne erfolgreiche und mehr als nur gut ausgebuchte firmen die sich mit hochzeiten beschäftigen, welche gerade für den film inkl nur 45min schnitt das 4 fache von als honorar nehmen.
    1200 euro deckt nicht mal den tageshonorar und material kosten für den einen drehtag.. ( ich nenn das mal nen drehtag, denn für den auftragnehmer ist es keine hochzeit sondern ein drehtag – Auftrag )
    gehen wir nur von fotos aus. eine vollformat kamera von canon kostet ca. 3000 euro + 2 objektive die qualitativ sind.. 1190euro für nen weitwinkel zoom.. und für das paar shooting im portrait noch nen guten tele zoom. auch noch mal 1700euro. die kamera hat einen verschleiß namens verschluss.. also nach ca. 150 000 fotos muss meistens der verschluss ausgewechselt werden. je nach kamera bis zur 600 euro was dann automatisch den wert der kamera jedoch um 80% vermindert.

    nehmen wir also 80% vom einkaufswert. – die anzahl der möglichen hochzeiten.. bei jeder hochzeit aus der südländischen kultur entstehen ca 2500 fotos ( auch wenn nicht alle verwendet werden ) . das ergibt ca. 108Euro für nur ein fotoequipment mit 1 kamera der verschleiß an einem auftrag.
    dann die postproduction – zeitrahmen hierfür – kurz und knapp will ich nur sagen.. die firma arbeitet doch nicht für 5euro am tag gewinnspanne ?! ich meine 1200 – 220euro( steuern) – 108euro materialverschleiß bleiben 972euro bei 2 kameras sinds noch mal 108euro verschleiß -864 bleiben.. jetzt mal filmüberspielen auf platte.. bei 3 festplatten nimmt es nen ganzer arbeitstag zeit.. dann film schneiden.. heißt noch mal nen tag bis 2 tage um das material zu besichtigen und sich schnittmasken und markierungen zu legen.. dann fängt der schnitt an.. wenn ne woche dannach ein guter filmschnitt im projekt ist.. muss das ganze gerendert werden.. bei der datenmenge dauert das rendern selbst mit einem 32gb ram und i7 prozessoren ca 1 tag.. in HD unkomprimiert entsteht eine mehrere hundert gb große datei, welche nicht mal richtig geöffnet werden kann, aber qualitativ genug ist um daraus dann eine blue ray anzufertigen.. was dann noch mal bis 2 tage dauert um sich ein image zu erstellen, weil blue ray — 25gb ? das ergibt gerade mal ne datei mit 22kb/s rendering…
    gerechnet von den übrig gebliebenen 864euro von dem auftrag sind es 61euro gewinn für die firma am tag.. moment.. das deckt nicht mal gerade den lohn einen mindeslohnarbeiters im Gastro gewerbe..
    und IHR HABT Verdamt doch mal mit einer FILM Firma zu tun..

    nun dürft ihr noch mal drüber gedanken machen, weshalb man bei filmerei und fotografie nicht sparen darf und nicht geizig sein darf, weil qualitative unternehmen etwas teurer sind. eine Hochzeit ist nicht toll weil ihr geld ausgibt an essen usw.. sondern weil die Gäste und athmosphäre die Hochzeit zu einem wunderbaren Tag machen, und wer filmische oder fotografische Erinnerung haben möchte muss nun mal mit Ausgaben und Zeitrechnen. denn eine Firma lebt nicht von einem Auftrag im monat, wenn da mehr als nur 1 Person Arbeitet… als selbstständige hat man nen gewerberaum – equipment – eigene lebensunterhalt, versicherungen , sozialabgaben für sich und seine mitarbeiter usw.. zu leisten.

    Wer dies nicht kapiert soll selbst für 60euro am tag arbeiten gehen.

    • Magic Moments

      achja ich vergas.. 60 durch 2 weil da ja 2 kameramänner waren.