Im Schulunterricht Kokablätter verteilt: Lehrkräfte und Putzfrau müssen sich vor Gericht verantworten

Foto: Darina - wikimedia - CC BY 3.0 DE (bearbeitet)

Zwei Lehrkräfte müssen sich erneut vor Gericht verantworten, weil sie im Schulunterricht Kokablätter als Anschauungsmaterial verteilt haben. In erster Instanz wurden die Lehrer am Amtsgericht Neu-Ulm freigesprochen. Doch die Staatsanwaltschaft ging in Berufung, rügte dass keine Schüler als Zeugen gehört worden sind.

Einzelne Schüler einer siebten Klasse hätten die Blätter in den Mund genommen und zerkaut, andere hätten sie eingesteckt und mit nach Hause genommen.
Die Pädagogen bestreiten jegliche Schuld: „Mir war nicht bewusst, dass da ein Unrecht geschieht“, so eine 61 Jahre alte Angeklagte.

Der Vorwurf Ihr und ihrem 45-jährigen Kollegen gegenüber lautet auf Beihilfe zu unerlaubter Abgabe von Betäubungsmitteln an Minderjährige (Az. 3 Ms 194 Js 2666/13).

Ausgangspunkt war eine im November 2012 an einer Mittelschule in Weißenhorn bei Neu-Ulm gehaltene Unterrichtsstunde in Erdkunde. Hierzu hatten die Lehrkräfte eine Peruanerin eingeladen, die den Schülern die Gebräuche ihrer Heimat erklärte.  Diese Frau war an der Schule als Putzfrau tätig, sprach vor den Schülern in Landestracht und zeigte unter anderem Schmuck, Textilien, Musik und Tänze aus Peru.

Dabei wurden auch getrocknete Kokablätter als Anschauungsmaterial gezeigt, da die Blätter des Koka-Strauchs in Südamerika als Heilmittel gelten. In Deutschland sind sie aber als Grundstoff für Kokain verboten.

„Ein paar haben die Blätter genommen, darauf gekaut und wieder ausgespuckt“, sagte ein heute 15-jähriger Schüler vor Gericht. „Es hat bitter geschmeckt“, sagte sein jüngerer Klassenkamerad. Gesundheitsbeschwerden hätten sie später nicht vernommen.

Die Peruanerin, welche als Zeugin geladen war, sah die Schuld ebenso nicht bei ihr. „Die Lehrer hätten mir sagen müssen, dass ich das den Schülern nicht zeigen durfte“, sagte sie unter Tränen. Alle Beteiligten bestreiten, gesehen zu haben, dass einige Kinder die Blätter in den Mund genommen oder eingesteckt haben. „Wenn ein Schüler etwas mitnimmt, das bekommt man nicht mit“, so die Lehrerin.

Die Peruanerin wurde bereits getrennt rechtskräftig zur eine Geldstrafe verurteilt.

Quelle: LTO Online vom 18.09.2014

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Update vom 01.10.2014:

Das Landgericht Memmingen erkannte keinen Vorsatz und bestätigte den Freispruch des Amtsgerichts Neu-UIm (Urt. v. 30.09.2014, Az.: 3 Ms 194 Js 2666/13). Den Lehrern sei nicht klar gewesen, dass die Peruanerin eine strafbare Tat begeht, sagte der Richter in seiner Begründung. „Wenn sie gewusst hätten, es geschieht hier etwas Rechtswidriges, hätten sie sicher etwas getan.“

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