Lufthansa-Pilot siegt vor dem BAG im Kampf um die Mützentragungspflicht

Nach einer heute bekannt gewordenen Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts (BAG) in Erfurt darf die Lufthansa in ihrer entsprechenden Betriebsvereinbarung ihre männlichen Piloten nicht mehr zur Mützentragung im öffentlichen Bereich von Flughäfen verpflichten – zumindest solange dabei Pilotinnen von dieser Pflicht ausgenommen sind. Ein Pilot fühlte sich durch diese Pflicht diskriminiert und hatte dagegen geklagt: Seine auf die Feststellung gerichtete Klage, nicht zum Tragen der „Cockpit-Mütze“ verpflichtet zu sein, hatte vor dem Ersten Senat des Bundesarbeitsgerichts Erfolg.

Er kritisierte, dass die blauen Cockpit-Mützen für Frauen nur ein Uniform-Accessoire sind und nicht verpflichtend zur Frauenuniform gehören. Sie hätten die freie Wahl, ob sie diese Mützen während des Flugeinsatzes in der Öffentlichkeit tragen, während das für Männer bei der Lufthansa verpflichtend sei. Die Richter des BAG sahen in den Argumenten der Lufthansa – hauptsächlich Tradition und die Besonderheiten der Damenfrisur – keine ausreichenden Argumente für eine sachlich gerechtfertigte Ungleichbehandlung zwischen männlichen und weiblichen Piloten. Die einheitliche Dienstkleidung solle das Cockpitpersonal in der Öffentlichkeit als hervorgehobene Repräsentanten der Lufthansa kenntlich machen. Gemessen an diesem Regelungszweck ist eine unterschiedliche Behandlung nicht gerechtfertigt. Damit bestätigte das BAG ein Urteil des Arbeitsgerichts Köln. Ob es sich darüber hinaus auch um eine Benachteiligung wegen des Geschlechts handelt, konnte das BAG offen lassen.

Das Landesarbeitsgericht Köln hob zuvor das Urteil des Arbeitsgerichts Köln zugunsten der Lufthansa auf. Begründung: Die Kleiderordnung sei unterschiedlich, weil die Geschlechter es auch seien. Die Dienstbekleidung für Frauen habe auch ihre Besonderheiten. Dass sie Röcke tragen dürften, Piloten aber nicht, sei auch keine Diskriminierung der Männer.
Piloten würden durch die Mützenpflicht deshalb nicht benachteiligt, sondern lediglich „anders“ als Frauen behandelt. Zudem sei die „vollständige Gleichmacherei in allen Lebensbereichen“ nicht Aufgabe des Gesetzes.

Geklagt hatte ein in München stationierter Pilot aus Nordrhein-Westfalen. Er arbeitet seit 2006 für die Lufthansa und war wegen fehlender Pilotenmütze im Jahre 2009 von einem New York Flug abgezogen worden.

Fundstelle: Bundesarbeitsgericht; Urteil vom 30. September 2014 – 1 AZR 1083/12.
Vorinstanz: Landesarbeitsgericht Köln; Urteil vom 29. Oktober 2012 – 5 Sa 549/11.

Schlagworte:
, , , , , , , ,