Wenn der Richter zur Entscheidungsfindung mit den Parteien einen Zitronenkuchen bäckt

Nachdem der Vermieter einen über 30 Jahre alten Backofen der Mieterin ausgetauscht hat, der zu Beginn des Mietverhältnisses mitvermietet wurde und nun kaputt war, stellte die Mieterin die Qualität des neuen Ofens in Frage. Nach ihrer Ansicht sei der Ofen zum Backen gänzlich ungeeignet. Noch nicht einmal einen einfachen Kuchen könne man damit backen, da der Ofen die Temperatur nicht halte.  Der Vermieter bestreitet all dies.

In einem ersten Gerichtstermin konnten sich die beiden Parteien nicht gütlich einigen.  Deshalb muss nun Beweis über die Qualität des Backofens erhoben werden. Der zuständige Richter am Amtsgericht Hannover kam dabei auf eine überraschende Idee: Statt ein teures Sachverständigengutachten zur Ofenqualität einzuholen, schlug er vor, das Gerät vor Ort in Augenschein zu nehmen. Dabei sollen sich die Parteien zusammen mit deren Rechtsanwälten und dem Richter in die Wohnung der Mieterin begeben und gemeinsam einen Zitronenrührkuchen backen und anschließend verkosten. Um Fehlerquellen beim Teig auszuschließen, soll eine Fertigbackmischung verwendet werden. Anschließend soll die Entscheidung des Gerichts vom Ausgang des Backversuchs abhängen.

Fundstelle: Rechtsindex.de

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  • Blorb

    Über ein Update, ob denn der Kuchen auch was geworden ist, wäre ich nicht undankbar.

  • David

    „Statt ein teures Sachverständigengutachten zur Ofenqualität einzuholen“

    „sollen sich die Parteien zusammen mit deren Rechtsanwälten und dem Richter in die Wohnung der Mieterin begeben und gemeinsam einen Zitronenrührkuchen backen und anschließend verkosten.“
    dazu habe ich 4 Fragen:
    1. kommt der Ortstermin mit Richter_in, RAen und Streitgegner wirklich billiger? Kuchen backen, abkühlen lassen und verkosten setze ich mit 3 Stunden an.
    2. Wer stellt, bezahlt Kaffee/Tee, räumt die Bude auf vor dem Besuch auf, richtet alles an und putzt anschließend alles wieder weg?
    3. Bringen die Herrschaften ihre Pantoffeln selber mit, nehmen sie mit den vorhandenen vorlieb oder bestehen sie darauf beschuht die Wohnung auszukundschaften?
    4. Durch das Betreten der Wohnung durch das Gericht, das selbstverfreilich höflich und dezent die Einrichtung in Augenschein nehmen wird, können leicht sachfremde Erwägungen Einfluss auf die Urteilsfindung nehmen. Z.B. geschlackvolle Wohnung in den Augen des Gerichts? Zu gewöhnlich, bieder kitschig eingerichtet? Am Ende vielleicht noch ein unbeholfener Blick in den Kühlschrank, dessen Inhalt, seit einer kleinen Ewigkeit soziologisches Allgemeinwissen, mehr über die Klägerin verrät, als jede Wohnzimmergarnitur der Welt…
    5. Am Ende versucht sich das Gericht qua deformation professionelle in Streitschlichtung bei Kaffee und Kuchen?

    Die Gutachterlösung scheint mir deutlich kontrollierter, objektiver und transparenter.

  • trallala

    Warum nicht einfach ein hitzebeständiges Thermometer in den Ofen legen und protokollieren? Da braucht’s auch keinen Sachverständigen zu, das schafft sogar ein Richter.