Wunderheiler freigesprochen – Patienten fühlten sich nicht betrogen

Mit einem Wunderheiler und dessen Tätigkeiten musste sich das Amtsgericht Gießen in einem Strafprozess auseinandersetzen. Dem Mann wurden Verstöße gegen das Heilpraktikergesetz sowie Betrug gegenüber seinen Kunden vorgeworfen. Dieser bot seine Dienste – in Zeitungsanzeigen annonciert – gegen Beschwerden wie Krebs, Demenz, Alzheimer, Körpervergiftung, Hepatitis oder HIV an.

Die Behandlung erfolgte zuerst mit einer Untersuchung des Gesundheitszustands verschiedener Organe mittels eines Pendel. Darauf folgte das Händeauflegen bei seinen Kunden. In bestimmten Fällen erfolgte auch eine „Fernheilung“ durch das Telefon.
Im Zeitraum von ca. eines Jahres behandelte der Mann so 58 kranke Personen. Diese lieferten dafür eine Vergütung zwischen 60 und 1000 Euro.

Das Amtsgericht Gießen entschied nach Zeugenvernehmung, der Wunderheiler habe sich nicht des Betruges gegenüber seinen Patienten strafbar gemacht. Die „Patienten“ bestritten, sich in irgendeiner Weise von dem Heiler betrogen oder getäuscht gefühlt zu haben, auch wenn es nur wenige Kunden waren, die „geheilt“ worden sind. Der Mann sei vielmehr von seinen Kräften überzeugt; ein Täuschungsvorsatz könne ihm schon deshalb nicht vorgeworfen werden. Der Mann habe zudem keinem seiner Kunden wissenschaftliche Nachweise für seine Heilkraft vorgespiegelt.

Auch ein Verstoß gegen die Erlaubnispflicht aus dem Heilpraktikergesetz (eine solche Erlaubnis lag nicht vor) verneinte das AG Gießen in einer umfangreichen Würdigung. Der Mann würde nach Ansicht des Gerichts schon gar keine Heilkunde ausüben. Voraussetzung dafür sei nämlich, dass die Tätigkeit neben Heilung auch „nennenswerte gesundheitliche Schädigungen verursachen“ könne.

Das sei weder beim Pendeln, noch beim Handauflegen oder „Fernheilen“ der Fall. Entscheidend kommt hinzu, dass er seine Kunden regelmäßig darauf hingewiesen hat, dass seine Behandlung keine schulmedizinische Behandlung ersetze und auf jeden Fall ein Arzt aufgesucht werden muss.

„Ein sogenannter Wunderheiler, der spirituell wirkt und den religiösen Riten näher steht als der Medizin, weckt im Allgemeinen die Erwartung auf heilkundlichen Beistand schon gar nicht“, so der Richter in seiner Begründung. Die Gefahr, notwendige ärztliche Hilfe zu versäumen, wird daher eher vergrößert, wenn geistiges Heilen als Teil der Berufsausübung von Heilpraktikern verstanden wird.“

Quellen:
Ärzte Zeitung vom 06.08.2014
AG Gießen, Urteil vom 12. Juni 2014 – Cs 402 Js 6823/11

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