Diese Mahnung war ein Gedicht!

Ein Makler begehrte seinen Maklerlohn vom Käufer. Da von diesem keine Zahlung erfolgte, verfasste der Makler ein Mahnschreiben und bediente sich dabei der Reimform. Das Landgericht Frankfurt sah es als angemessen an, das Versäumnisurteil gegen den nicht erschienen Beklagten auch poetisch zu veredeln.

Dem Beklagten gingen vom klagenden Makler die folgenden Zeilen als Mahnschreiben zu:

Das Mahnen, Herr, ist eine schwere Kunst!
Sie werden’s oft am eigenen Leib verspüren.
Man will das Geld, doch will man auch die Gunst
des werten Kunden nicht verlieren.

Allein der Stand der Kasse zwingt uns doch,
ein kurz‘ Gesuch bei Ihnen einzureichen:
Sie möchten uns, wenn möglich heute noch,
die unten aufgeführte Schuld begleichen.

Das Landgericht Frankfurt zweifelte trotz der Reimform nicht an der Wirksamkeit der Mahnung. Da der Beklagte nicht zur Verhandlung erschien, erließ es das folgende Versäumnisurteil und blieb dabei der bisherigen Verfahrenssprache treu:

Maklerlohn begehrt der Kläger
mit der Begründung, dass nach reger
Tätigkeit er dem Beklagten
Räume nachgewiesen, die behagten.

Nach Abschluss eines Mietvertrages
habe er seine Rechnung eines Tages
dem Beklagten übersandt;
der habe darauf nichts eingewandt.

Bezahlt jedoch habe der Beklagte nicht.
Deshalb habe er an ihn ein Schreiben gericht‘.
Darin heißt es unter anderem wörtlich
(und das ist für die Entscheidung erheblich):

[…] (s.o.)

Da der Beklagte nicht zur Sitzung erschien,
wurde auf Antrag des Klägers gegen ihn
dieses Versäumnisurteil erlassen.
Fraglich war nur, wie der Tenor zu fassen.

Der Zinsen wegen! Ist zum Eintritt des Verzug`
der Wortlaut obigen Schreibens deutlich genug?
Oder kommt eine Mahnung nicht in Betracht,
wenn ein Gläubiger den Anspruch in Versen geltend macht?

Die Kammer jedenfalls stört sich nicht dran
und meint, nicht auf die Form, den Inhalt kommt`s an.
Eine Mahnung bedarf nach ständiger Rechtsprechung
weder bestimmter Androhung noch Fristsetzung.

Doch muss der Gläubiger dem Schuldner sagen,
das Ausbleiben der Leistung werde Folgen haben.
Das geschah hier! Trotz vordergründiger Heiterkeit
fehlt dem Schreiben nicht die nötige Ernstlichkeit.

Denn der Beklagte konnte dem Schreiben entnehmen,
er müsse sich endlich zur Zahlung bequemen,
der Kläger sei – nach so langer Zeit –
zu weiterem Warten nicht mehr bereit.

Folglich kann der Kläger Zinsen verlangen,
die mit den Zugang des Briefs zu laufen anfangen.
Der Zinsausspruch im Tenor ist also richtig.
Dies darzulegen erschien der Kammer wichtig.

Wegen der Entscheidung über die Zinsen
wird auf §§ 284, 286, 288 BGB verwiesen.
Vollstreckbarkeit, Kosten beruhen auf ZPO-
Paragraphen 91, 708 Nummer Zwo.

Bereits im Artikel Was sich, reimt ist immer gut – Das Russenpuff-Urteil berichteten wir über ein Urteil in Form eines Gedichts.

Fundstelle:
Landgericht Frankfurt am Main, Urteil vom 17.02.82  – 2/22 O 495/81

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  • Matthias Reim

    „Eine Mahnung bedarf nach ständiger Rechtsprechung
    weder bestimmter Androhung noch Fristsetzung.“

    BUUUUUHHHHH!
    Das reimt sich gar nicht!