Nacktsein ist kein Menschenrecht – Schotte scheitert mit Klage vor dem EGMR

Der in Großbritannien als „nackter Wanderer“ bekannte Schotte namens Stephen Peter Gough ist vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte mit seiner Klage gegen Haftstrafen wegen Exhibitionismus gescheitert.

Die Richter in Straßburg verteidigten die britische Justiz, die den 55-jährigen Mann bereits 30 mal wegen seiner öffentlichen Nacktauftritte verurteilte. Insgesamt verbrachte er dafür fast sieben Jahre im Gefängnis – und zwar immer in einer Einzelzelle, weil er auch im Gefängnis Kleidung ablehnte und nackt sein wollte. Er wurde in den Jahren 2003 bis 2012 immer wieder festgenommen und verurteilt, weil er sich nackt in der Öffentlichkeit zeigte – auf Straßen, Plätzen und auch Flughäfen. Einmal erschien er nackt vor Gericht, was ihn eine Verurteilung wegen Beleidigung des Richters kostete. Nach jeder Haftentlassung wurde Stephen Peter Gough relativ schnell wieder festgenommen, weil er sich nicht ändern wollte und ihn sein Adamskostüm gefiel. Mehrfach wurde er bei Entlassung bereits wieder am Ausgangstor des Gefängnisses festgenommen. Mit den Nacktauftritten wollte der Schotte nach eigenem Bekunden zum Ausdruck bringen, dass ein nackter menschlicher Körper nicht anstößig ist.

Vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte machte er daher geltend, die britische Justiz habe mit den Verurteilungen gegen sein Recht auf Meinungsfreiheit verstoßen.

Die Richter räumten zwar ein, „die öffentliche Nacktheit“ des Klägers könne zwar durchaus als eine Art Meinungsäußerung gesehen werden. Er könne aber nicht für sich selbst Toleranz beanspruchen und sich gleichzeitig über die Gefühle seiner Mitmenschen hinwegsetzen, die den nackten Anblick als schockierend oder verletzend empfinden können. Seine Nacktauftritte hätten daher die Vorschriften über gute Sitten verletzt, die in „jeder modernen demokratischen Gesellschaft“ gültig seien.

Fundstelle:
Stern.de vom 28.10.2014

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