Schiffsreise – Durchfahrt des Panamakanals im Dunkeln – Minderung?

Der Kläger freute sich über eine bei einem Münchner Reiseunternehmen gebuchte Kreuzfahrt nach Mittelamerika zum stolzen Preis von 8123 Euro.

In der Beschreibung der Reise was als „besonderer Höhepunkt“ die Durchquerung des Panamakanals angepriesen. Demnach sollte das Schiff am achten Reisetag in Colon bereits um 6:00 Uhr Morgens in Richtung Panamakanal starten.

Tatsächlich fand die Einfahrt in den Panamakanal aber nach 16 Uhr statt, was zur Folge hatte, dass der überwiegende Teil der Durchfahrt ohne Tageslicht geschah, wenn auch die Schleusen mittels Flutlicht hell erleuchtet sind,

Der Kläger machte deshalb Minderung des Reisepreises und Schadensersatz wegen vertaner Urlaubszeit in Höhe von insgesamt 4061,50 Euro, mithin die Hälfte des Reisepreises geltend. Das Reiseunternehmen erklärte sich freiwillig zu einer Erstattung in Höhe von 400 Euro bereit.

Mit Urteil des Amtsgerichts München (Az. 182 C 15953/13) wurden dem Kläger weitere 1224,60 Euro zugesprochen und im Übrigen die Klage abgewiesen.

Das Gericht stellte fest, dass die Schiffsreise mangelhaft war. Die Durchfahrt durch den Kanal entsprach nicht vertraglicher Vereinbarung, sie erfolgte nur teilweise tagsüber, ansonsten in der Dämmerung und Dunkelheit. Dass die Schleusen durch Flutlichter hell beleuchtet waren, bleibt unbeachtet, da eine solche Beleuchtung nicht mit einer Tagesdurchfahrt vergleichbar sei.

Was die Minderungsquote angeht, bedarf es laut Urteil bei einer Kreuzfahrt eine Gesamtbetrachtung der Reise. Kreuzfahrten würden regelmäßig eine bestimmte Prägung aufweisen, die nicht lediglich durch die Fahrtroute, die Dauer der Reise sowie die Ausstattung des Schiffes bestimmt wird, sondern wesentlich auch durch die touristischen Höhepunkte.

Es komme daher auf die Gewichtung der einzelnen Elemente an und ihre Bedeutung. Da vorliegend die Kanaldurchfahrt als einziger Programmpunkt in dem Prospekt als „Highlight“ beworben wurde, hielt das Gericht eine Minderungsquote von 20 % für angemessen und ausreichend.

Hingegen besteht ein Anspruch auf Schadensersatz wegen vertaner Urlaubszeit nicht.
Das Gericht stellt fest: Auch wenn nach der Durchquerung des Panamakanals eine verständliche Verärgerung unter den Reisenden und auch beim Kläger bemerkbar war, was naturgemäß mit einer Beeinträchtigung des Urlaubsgenusses verbunden sein kann, ist festzustellen, dass trotz der nicht zu verkennenden Beeinträchtigung das Erleben der Küsten Panamas und Costa Ricas mit kulturellen Hintergründen und interessanten Orten als solches geboten wurde.

Amtsgericht München, Urteil vom 17.12.2013 – 182 C 15953/13

Quelle:
Rechtsindex – Recht & Urteile vom  19. September 2014

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