Wenn der Auto-Spucker dem Richter eine Rechnung stellt

Es war nicht das erste Mal, dass ein 46-jähriger Mann aus Lechhausen das Auto seines Nachbarn bespuckte. Mehrmals fuhr der Angeklagte mit seinem Rad am Auto des Nachbarn vorbei und lies dabei eine nicht geringe Menge an Spucke auf das geparkte Auto des Nachbarn niedergehen.

Sein Nachbar sagte vor Gericht aus, dass sich die Spuck-Attacken schon seit längerer Zeit regelmäßig – fast täglich – wiederholen, jeweils zur gleichen Zeit, nachmittags gegen 15 Uhr. Vom Balkon seiner Wohnung aus habe er das Geschehen beobachtet und jeden einzelnen Vorfall mit Uhrzeit und Tag auf einer Liste festgehalten. Zweimal fertigte er darüber hinaus mit seiner Handykamera Filmaufnahmen der Vorfälle an.

Es folgte der Strafantrag des Nachbarn, und der Strafbefehl für den Täter, der aber hiergegen mit einer obskuren Begründung Einspruch einlegte. Er schloss sich der Argumentation sog. „Reichsbürger“ an, erklärte kurzerhand den Richter für nicht zuständig, ihn zu bestrafen, da nach der deutschen Wiedervereinigung keinerlei gesetzliche Regeln mehr gültig seien. Die Argumentation war vergeblich.

Da der Mann zu seiner Verhandlung über den Einspruch nicht erschien, verwarf Amtsrichter Walter Hell das Rechtsmittel und verurteilte den umtriebigen Nachbarn zu einer Geldstrafe von 750 Euro (50 Tagessätze zu je 15 Euro). Das gezielte Bespucken eines Fahrzeugs, dessen Eigentümer dem Täter bekannt ist, erfülle den Tatbestand der Beleidigung. Ziel des Täters sei es, den Fahrzeugbesitzer so in seiner Ehre herabzuwürdigen. Der verurteilte Spucker kann nun noch Berufung einlegen.

Wer glaubt, damit war die Geschichte für den Verurteilen zu Ende, irrt: Dem Richter ging von dem Auto-Spucker eine Rechnung für „die Bearbeitung“ seines eigenes Falles in Höhe von 560 Euro zu, wobei er fünf Arbeitsstunden mit einem Stundensatz von jeweils 120 Euro ansetzte und sich letztlich auch noch in der Summe um ganze 40 Euro verrechnete.

Quelle:
Augsburger Allgemeine vom 06. September 2014

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