Anspruch des männlichen Badegasts auf Tragen eines String-Tangas

Einem männlichen Badegast wurde in einem Würzburger Freibad das Tragen eines String-Tangas verboten. Gestützt wurde das Verbot auf eine Bestimmung in der Benutzungsordnung des Bades,  welche besagte, dass das Baden nur „in üblicher Badebekleidung“ erfolgen darf. Den Frauen wurde aber in den Bestimmungen das Oben-ohne-Baden gestattet. Darin sah der Gast eine ungerechtfertigte Ungleichbehandlung und erhob Klage.

Das Amtsgericht Würzburg musste die Sache entscheiden und entschied im Ergebnis gegen den Badegast.  Angesichts der Benutzungsbedingungen habe er keinen Anspruch auf Tragen eines String-Tangas in dem Bad gehabt.  Diese Bedingungen haben nach Ansicht des Gerichts auch nicht in die Freiheitsrechte des Gastes verfassungswidrig eingegriffen.  Da es nach Ansicht des Gerichts auch an einer Beeinträchtigung der engeren Persönlichkeitssphäre fehlte, wurde eine Verletzung des allgemeinen Persönlichkeitsrechts (Art. 1 Abs. 1, 2 Abs. 1 GG) verneint. Darüber hinaus haben die Benutzungsbedingungen nicht im Widerspruch zur allgemeinen Handlungsfreiheit (Art. 2 Abs. 1 GG) gestanden. Ein Eingriff in dieses Recht sei zwar zu bejahen, jedoch sei der Eingriff durch die verfassungsgemäße Ordnung gerechtfertigt gewesen.

Die Benutzungsbedingungen haben nach Ansicht des Amtsgerichts den Zweck verfolgt, die öffentliche Ordnung und Sittlichkeit aufrecht zu erhalten. Dabei habe die Ausgestaltung der Regelung nicht auf die biologische Einordnung der zu bedeckenden Körperteile beschränkt werden müssen. Es sei vielmehr zulässig gewesen, auch andere Aspekte, wie das sittliche und ästhetische Empfinden der Bevölkerungsmehrheit mit einzubeziehen. Zudem sei die Regelung angemessen und verhältnismäßig gewesen. Es habe eine nur geringe Grundrechtsbeeinträchtigung vorgelegen. Denn es sei nicht das Baden als solches, sondern nur das Tragen einer bestimmten Art von Badebekleidung verboten worden.

Die Benutzungsbedingungen haben darüber hinaus nach Ansicht des Amtsgerichts keine sachlich nicht begründete Ungleichbehandlung dargestellt. Zwar sei es richtig, dass eine Ungleichbehandlung vorlag. Denn während das „Oben-ohne-Baden“ von Frauen erlaubt war, wurde der String-Tanga als anstößige Badebekleidung bezeichnet und verboten. Dieses Verbot sei hingegen sachlich gerechtfertigt gewesen.

Schließlich habe nicht außer Betracht bleiben dürfen, dass es eine Gleichheit im Unrecht nicht gibt. Sowohl das Baden Oben-ohne als auch das Tragen eines String-Tangas habe keine übliche Badebekleidung dargestellt. Der Umstand, dass die Badeanstalt das „Oben-ohne-Baden“ duldete, habe dem Badegast nicht ein Recht auf Wiederholung der Duldung eines vertragswidrigen Verhaltens gegeben.

Fundstelle:
Kostenlose-Urteile.de
Amtsgericht Würzburg, Urteil vom 11.06.1991 – 15 C 813/91

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  • Synonym für kleine Hunde mit eingedrückter Nase

    Uff… das ist ja auch mal wieder sehr kontrovers…
    Sicher, das eine zu erlauben heißt nicht, das andere zu dulden oder anders herum. Es besteht kein Zwang, eine gewisse Lächerlichkeit und Ungerechtigkeit hat die sache allerdings schon denke ich. Während die werten Damen der Schöpfung sich kurz vor nicht bekleidet am Wasser erfreuen dürfen (Oben-Ohne und, ich schätze Mal, es ist nichts gegen einen String als Bikiniunterteil einzuwenden), werden die Herren dazu angehalten sich doch bedeckt zu halten (im übertragenen Sinne). Sicher, es ist vielleicht nicht falsch, einfach weil es da wohl etwas mehr zu verbergen gibt im allgemeinen Verständnis, dass man sich da ungerecht behandelt fühlen KANN verstehe ich dennoch.
    Und was das ästhetische Empfinden angeht… da wird es in meinen Augen lächerlich. Dieser Logik nach dürfte man ja auch unansehnlichen Leuten das Baden verbieten, oder nur mit Maske erlauben oder sowas. Immerhin gehen diese Personen auch gegen das allgemeine Ästhetik-Empfinden. Tut man das? Nein! Das kann man wohl auch nicht allein vorschieben.
    Meine eigene Meinung dazu: Solange nichts raushängt, soll der Typ doch tragen was er will. Was soll das bitte stören? Wären die leute etwas weniger verklemmt, würde es dazu nicht kommen müssen! Also bitte deutschland, nimm den Bestenstiel aus den 4-Buchstaben und reg dich nicht über ein wenig Stoff auf!

    Zum Abschluss: Wer glaubt noch, dass diese Regelungen des besagten Bades, von einem Herren gestellt und durchgesetzt wurden? Vielleicht sogar dem gleichen? Busen schauen auf erlaubt vielleicht, ohne dass er sich ‚zu nackte‘ Männer ansehen muss?