Frau verfüttert 8 fremde Zwerghasen an Tigerpython – 1 Monat Gefängnis

Ein 15-jähriger Freiburger bot in einer Zeitungsannonce in der Rubrik „zum Verschenken“ seine 8 Zwerghasen an Tierliebhaber an. Daraufhin meldete sich eine 42-jährige Frau und behauptete, Lehrerin zu sein und die 8 Hasen für ein Schulprojekt „nur ausleihen“ zu wollen. Es wurde vereinbart, dass die Frau die 8 Hasen für eine Gebühr von 40 Euro 2 Wochen für das Schulprojekt haben kann. Dieser Betrag wurds bar bezahlt und die Hasen gleich mitgenonmen. Dazu wurde eine Kaution von 80 Euro – der nach Ansicht des Jungen den Wert der Hasen widerspiegelt – vereinbart. Diesen Betrag wollte die Frau am Tag danach vorbeibringen. Als sich die Frau nicht mehr meldete um die Kaution zu bezahlen und die Hasen nach den 2 Wochen auch nicht mehr zurückbrachte, erstattete der Junge Anzeige bei der Polizei, nachdem er von der Zirkusfamilie abgewiesen wurde.

Daraufhin stellte sich heraus, dass die 42-Jährige keine Lehrerin ist, sondern Betreiberin eines Wanderzirkusses. Die 8 Zwerghasen hat sie an eine Tigerpythonschlange des Zirkusses verfüttert. Im Dezember letzten Jahres hatte das Amtsgericht Freiburg die Frau dafür wegen Betruges zu einem Monat Gefängnis verurteilt. Das Landgericht bestätigte im Berufungsverfahren nun dieses Urteil. Die Frau gab vor Gericht an, die Fahrt zu einem Hasenzüchter oder Händler sei ihr zu aufwendig gewesen.

Fundstelle:
TAZ vom 07.11.2014

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  • Some1

    Hmmm. Ich verstehe die Aufregung nicht*. Tierfreundin ist sie je ganz offensichtlich, wenn sie ihrer Schlange kleine kuschelige Leckerli besorgt.

    Ich halte die Urteile für Rechtsbeugung.

    * und insbesondere nicht, wie das verhalten den Straftatbestand des Betruges nach § 263 StGB erfüllen soll!! Da die Tiere zu verschenken waren kann kein Vermögensschaden entstanden sein.

    • Vielen Dank für Ihren Kommentar.

      Die Tiere waren ursprünglich zu verschenken. Vereinbart wurden dann aber 40 Euro Mietgebühr sowie 80 Euro Kaution. Die Frau täuschte über ihre Absicht, die Hasen wieder zurückzugeben und bezahlte die Kaution auch nicht. Vermögensschaden sind dann die 8 Zwerghasen bzw. die Kaution.

      Viele Grüße,
      Andreas Stephan

    • Lexi

      Es ziemlich eindeutig Betrug.
      Und selbst wenn die Vereinbarung eine Schenkung wäre, hat die Frau über zwei ihrer Eigenschaften getäuscht. Falsche Tätigkeit und falsches Verwendungvorhaben. Die geplante Schenkung und die erfolgte „Leihe“ waren aber an ebendiese (vorgegebenen) Eigenschaften gebunden.

      Zusätzlich dazu sehe ich noch eine seelische Schädigung, da der Junge sich offensichtlich für die Hasen verantwortlich fühlte und so sicherstellen wollte, dass der neue Besitzer sich so gut wie möglich um sie kümmert. Mein Bauchgefühl hält einen Monat auf jeden Fall für zu wenig.

      • Some1

        Meine Lexi wieder. Mit ’nem kleinen Bäuchlein (voller Gefühle). :)

        Katzen sind auch süüüüüss und kuuuuuuschelig und nieeeeeedlich. Und die Freigänger morden trotzdem (Sing)Vögel.
        Hunde sind auch süüüüüss und kuuuuuuschelig und nieeeeeedlich. Und mordeten Kleintiere – wenn sie denn könnten (nicht zu verfettet und langsam wären).

        Nur, weil Du andere Schlangen nicht magst (nennt man das nicht Zickenkrieg? ;) ) müssen sie trotzdem adäquat essen. Dazu gehören nicht nur IIHHHHGIIIIIITTT-Ratten und Mäuse, sondern durchaus auch Kaninchen u.ä.

        1 Monat (@AS: ich denke doch aber: auf Bewährung?) ist für 80 EUR Schaden schon eine „anständige“ Hausnummer!

        P.S. @AS: Um was wetten wir, dass es eine RichterIN war? ;)

        • Lexi

          Ich verstehe die Argumentation nicht. Klar mag ich Hasen. Und Mäuse. Und Ratten (habe selbst drei).
          Ich mag auch Katzen (habe auch eine) und Hunde und Reptilien …

          Darum geht es aber nicht. Es geht auch nicht darum, dass Raubtiere eben andere Tiere fressen. Tue ich selbst auch.
          Es geht darum, dass der Junge für seine Hasen sorgen wollte und sie in dem Bewusstsein weggeben wollte, dass es ihnen gut gehen wird. Neben dem materiellen Wert der Hasen wurde er auch genau darum betrogen. Und natürlich um das Geld.

          Was das Geschlecht der Richterin angeht, behauptet „Bild“ mal wieder mehr zu wissen, nennt den Namen der Richterin und erzählt auch von Vorstrafen wegen Betrugs.
          Was das mit der Geschichte zu tun hat, ist mir schleierhaft. :)

          Ein Aktenzeichen des Urteils ist leider nirgendwo erwähnt. Und die Entscheidung selbst ist auch nicht auf dem Portal der Baden-Württemberger Rechtsprechung gelistet. (http://lrbw.juris.de/cgi-bin/laender_rechtsprechung/list.py?Gericht=bw&GerichtAuswahl=Amtsgerichte&Art=en&Datum=2013-12) Das riecht langsam so als wäre mal wieder Märchenstunde bei der DPA.

          • Some1

            Keine Aufregung, aber:
            „Es geht darum, dass der Junge für seine Hasen sorgen wollte und sie in dem Bewusstsein weggeben wollte, dass es ihnen gut gehen wird. Neben dem materiellen Wert der Hasen wurde er auch genau darum betrogen. Und natürlich um das Geld.“

            Dafür 1 Monat Haft (!!) (ich hoffe immer noch: ausgesetzt zur Bewährung!) ist aber SOWAS von „drüber“!
            Nichts Böses, aber vor meinem geistigen Auge schwebt so eine rührselige, (auch geistig) vereinsamte Richterin, die ihren Job missbraucht um persönliche Fehden auszutragen.

            P.S. Aber siehst Du: RichterIN. War auch wahrscheinlicher als ein rührseliger Richter. ;)

    • Janmann

      Die Annonce war dem SV hier zufolge nur eine invitatio ad offerendum. Danach erfolgte ein entgeltlicher Vertragsabschluss.
      Dass ein Amts- und Landgericht vernünftig BGB AT anwenden können, darf schon angenommen werden.

      • Some1

        Jetzt kam mir „RA W.K. Siebers“ zuvor (Danke!), aber der Unterschied von BGB (Schadenersatz) vs. StGB (Haftstrafe!!) sollte doch selbst Dir eingehen?

  • Das Landgericht wird die Frau im Berufungsverfahren allerdings wohl nicht verurteilt, sondern eher die Verurteilung des Amtsgerichts aufrecht erhalten haben. Die besonderen Gründe, die die Kammer für die Verhängung einer kurzen Freiheitsstrafe gem. § 47 StGB erwogen hat, würde ich allerdings schon gerne lesen.

  • In der Tat ist solch ein Urteil vor dem Hintergrund von § 47 StGB und der Frage der Verhältnismäßigkeit (Verhältnis Strafe/Schaden) nicht begründbar, selbst wenn die Dame einschlägig vorbestraft gewesen sein sollte. Die Revision wäre ein Selbstläufer.