„Immer Netz… hat der Netzer“ – Otelo Werbung stellt keine irreführende Werbung für den Vebraucher dar

Dass bei großen Konzernen gerne mit Prominenten im Fernsehen geworben wird, stellt keine Besonderheit in der deutschen Fernsehlandschaft dar. Die Firma Otelo (eine Vodafone-Tochter) wirbt mit dem ehemaligen deutschen Fußballprofi Günter Netzer in einem Spot mit diesem Reim:

Immer Fisch hat… der Fischer.
Immer Glas hat… der Glaser.
Immer Musik hat… der Musiker.
und immer Netz hat… der Netzer.
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Ein Konkurrent fand die Aussage “immer Netz“ irreführend, es gäbe schließlich keine 100-prozentige Netzabdeckung, auch nicht für Günter Netzer.

Das Oberlandesgericht Frankfurt am Main konnte jedoch darin – genauso wie die Vorinstanz – keine Irreführung erkennen und führte aus:

„Die angesprochenen Verkehrskreise nehmen die Werbeaussage jedoch nicht in dem Sinne wörtlich, dass sie bei Otelo „immer”, also in jeder Situation eine ungestörte Mobilfunkverbindung haben. Der durchschnittlich aufmerksame und verständige Durchschnittsverbraucher sieht die Werbung vor dem Hintergrund seines Erfahrungswissens. Jeder Verbraucher weiß aus eigener Erfahrung, dass in bestimmten Situationen (Bahnfahrten, Tunnels, Täler, Keller, etc.) Verbindungslücken, sog. „Funklöcher” auftreten können. Dies ist zwischen den Parteien unstreitig.

Die Aussage „immer Netz” wird daher jedenfalls dann relativiert, d.h. lediglich im Sinne eines Hinweises auf eine relativ hohen Verbindungsqualität verstanden, wenn sie – wie hier – in einen Werbespruch eingebettet ist, der sich eines Wortspiels mit dem Namen „Netzer” bedient. Der Verbraucher weiß, dass es verschiedene Mobilfunknetze mit unterschiedlich guter, niemals aber zu 100% ungestörter Verbindungsqualität gibt. Dass die verbleibenden und für den Gebrauch eines Mobiltelefons immer schon äußerst störenden „Funklöcher” irgendwann geschlossen werden können, erscheint zwar nicht ausgeschlossen, käme aber einem technischen Durchbruch gleich, der dem betreffenden Anbieter einen entscheidenden Vorsprung im Wettbewerb bieten und von diesem daher in entsprechender Form hervorgehoben werden würde.

Der streitgegenständliche Werbespruch mit humoristischer Note ist nach der Verkehrsauffassung ersichtlich nicht dafür gedacht, auf einen solchen technischen Durchbruch hinzuweisen. Unter diesen Umständen erwartet der Durchschnittsverbraucher bei der Angabe „immer Netz hat der Netzer” daher lediglich ein Netz mit höchstmöglicher Verbindungsqualität.“

Fundstelle:
webhosting-und-recht.de (Kanzlei Dr. Bahr);
Oberlandesgericht Frankfurt am Main – Urteil v. 25.09.2014 – Az.: 6 U 111/14

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  • Alexia

    Der Richter scheint ein Großstadtkind mit geringer Mobilinternetaffinität zu sein.
    Sonst hätte er mal nach der Netzabdeckung in ländlichen Gegenden geschaut, oder hinterfragt, wieviele Gigabyte Internet-Traffic denn „Flatrate“ in Otello-Sprech bedeuten. :)