Mann sägt sich Daumen und Zeigefinger ab – Versuchter Versicherungsbetrug

In Norderstedt (Schleswig-Holstein) stand der 50-jährige Ralf-Werner D. wegen Versicherungsbetruges vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft warf dem Mann vor, dass die Abtrennung von Daumen und Zeigefinger der linken Hand geplant war, um so an die hohe Versicherungssumme zu gelangen.

Staatsanwalt Mohr: „Am 11. Februar 2010 trennten Sie sich mit einer Tischkreissäge Daumen und Zeigefinger der linken Hand ab, um die Versicherungssumme zu bekommen.“

Der zum damaligen Zeitpunkt gerade zum Versicherungsfachmann ausgebildete Mann sieht die ganze Sache jedoch als Unfall an:
„Ich sägte Kanthölzer fürs neue Agenturschild auf der neuen Kreissäge. Plötzlich kam mir einer meiner Pudel-Spitz-Mischlinge zu nahe. Ich wollte ihn vertreiben, trat dabei meinem anderen Hund auf den Schwanz. Ich stolperte, stützte mich ab.“

An das, was danach passiert, erinnert er sich nicht mehr. Fest steht nur, dass Ralf-Werner D. kurz darauf in der Klinik auftauchte – ohne Daumen und Zeigefinger.

Die Polizei machte sich erfolglos auf die Suche nach den zwei Fingern im Keller, staunte: „Da war kaum Blut.“
Die Finger wurde von seiner Frau eine Woche später vor dem Haus im Schnee gefunden.

1800 Euro an Prämien soll Ralf-Werner D. an die Versicherungen bezahlt haben. „Wieso haben Sie sich derart hoch versichert?“, will Richterin Dettmers in Erfahrung bringen. Ralf-Werner D sagt.: „Damit ich rundum abgesichert bin.“

Für den Gutachter Prof. Hans-Jürgen Kaatsch (67) sieht alles nach einem fingierten Unfall aus: „Dafür gibt es klassische Indizien: Er war allein. Er rutschte aus. Es war nicht die Gebrauchshand. Nur Daumen und Zeigefinger fehlen, der Rest der Hand ist unversehrt.“

Der 50-jährige Mann wurde gestern im Ergebnis wegen versuchtem Versicherungsbetrug zu einer Bewährungsstrafe von 1 Jahr und 10 Monaten verurteilt. In der Urteilsbegründung zeigte sich das Gericht darüber verwundert, dass der Mann zum Zeitpunkt des vermeintlichen Unglücks gleich vier Unfallversicherungen über eine Schadenssumme von maximal 1,4 Millionen abgeschlossen hatte. Die Policen sollen zum Teil spezielle Regelungen beinhaltet haben, die bei Verletzungen der Finger greifen. Trotz der hohen Versicherungssumme bewertete das Gericht die Tat nicht als schweren Fall, da noch keine Prämien geflossen seien. Der Verteidiger sagte, er sei bestürzt über das Urteil und kündigte an, Rechtsmittel einlegen zu wollen. „Mein Mandant ist unschuldig und ein Unfallopfer.“ Er bemängelte, dass das Gericht abgelehnt hatte, einen weiteren Rechtsmediziner zu hören, welcher die Amputation „differenzierter“ dargestellt hätte. Auch sein Antrag, einen Psychiater als Zeugen zu hören, wurde abgelehnt. Damit wollte der Verteidiger widersprüchliche Aussagen seines Mandanten erklären, welcher nach dem Ereignis einen Gedächtnisverlust erlitten habe.

Am 7. November entscheidet laut einer Gerichtssprecherin nun das Landgericht Kiel über einen Teil der zivilrechtlichen Ansprüche des Mannes, die er per Klage gegen eine der Versicherungen durchsetzen will.

Fundstelle:
Süddeutsche.de vom 16.10.2014 und Spiegel.de vom 31.10.2014

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  • Lexi

    Typisch Versicherungen o.o

    „VERSICHERN SIE SICH! ES KANN IMMER ETWAS PASSIEREN!
    (aber wenn wirklich etwas passiert, kommen Sie bloß nicht zu uns. Sonst verklagen wir Sie. Ihr Geld nehmen wir natürlich gerne weiterhin.)“

    • Some1

      Aber Lexi!

      Versicherungsbetrug geht doch kaum -noch- offensichtlicher und -noch- dümmer!
      Ich bin froh, dass die Versicherungen wenigstens die gröbsten Fälle aussieben und eine gewissen Hemmschwelle aufrecht erhalten (müssten sie mW nicht: Sie verdienen prozentual an den Prämien und höhere Prämien == höherer Deckungsbeitrag)!

      BTW: Wäre es kein Versicherungsbetrug gewesen, so wäre es immer noch grobe Fahrlässigkeit, bei gefährlichen Arbeiten seine Hunde nicht vom Arbeitsbereich fernzuhalten. Bei gF wird mw auch nicht gezahlt.

  • Ich bin keine Kreissäge

    Dass sich Rechtsanwälte immer noch dazu herablassen, solche Fälle anzunehmen… nur noch lächerlicher wäre doch, wenn man jemanden vertreten wollte, der behauptet, der Himmel sei schwarz-weiß gestreift.
    Meine Güte… naja, ein paar Leute scheinen ja immerhin Situationen richtig beurteilen zu können. Das ist immerhin etwas, und mit dem bisherigen Ergebnis kann man wohl zufrieden sein.
    (Wenn man es noch nicht gemerkt haben sollte, nach dem, was ich hier gelesen habe, zweifel ich ebenfalls massiv an der Unfalltheorie)