Verzehrter nicht schmeckender Fisch in gehobenem Speiselokal muss bezahlt werden

Der Fall spielt im März 1987 in einem gehobenem italienischen Speiserestaurant in Gießen. Dort bestellte ein Gast einen Seewolf (loup de mer). Nach Angabe auf der Speisekarte soll der Fisch satte 650 Gramm wiegen und 48 DM kosten.

Der Gast verzehrte den herbeigebrachten Fisch, weigerte sich aber anschließend, diesen auch zu bezahlen. Er führte an, dass er mir Hilfe des Sachverstands einer ebenfalls anwesenden Diplom-Biologin herausgefunden hätte, dass es bei dem Seewolf um eine Brasse von 300 Gramm handeln würde. Außerdem schmeckte der Fisch tranig und führte zum Durchfall.

Beim Wirt konnte er mit dieser Argumentation nicht durchdringen, so dass der Fall vor dem Amtsgericht Gießen landete.

Das Gericht entschied zu Gunsten des Wirts. Dieser habe einen Anspruch auf Bezahlung des Fischs gehabt. Wenn der Gast erkennt, dass der von ihm bestellte Fisch tatsächlich ein anderer Fisch minderer Qualität ist und verzehrt er diesen Fisch dennoch, so müsse er den verzehrten Fisch bezahlen. Dies ergebe sich daraus, dass dem Gast der tatsächlich gelieferte Fisch anscheinend soviel Wert ist, wie der eigentlich bestellte Fisch.

Auch der tranige Geschmack des Fischs rechtfertigt nicht eine Zahlungsverweigerung. Denn ein solcher Geschmack sei in gewisser Weise jedem Fisch eigen. Daher sei es für einige Köche sogar wichtig, den Eigengeschmack eines Fischs bei der Zubereitung zu erhalten und eben nicht zu beseitigen oder zu verdecken.

Unklar war für das Amtsgericht auch, warum der tranige Geschmack des Fischs beim Gast zu Durchfall habe führen können oder müssen. Es hätte vielmehr einer genauen Untersuchung von Ursache und Wirkung sowie einer Mitteilung des Ergebnisses bedurft. Dies sei jedoch unterblieben.

Fundstelle:
kostenlose-urteile.de vom 03.01.2014Amtsgericht Gießen, Urteil vom 20.08.1987 – 46 C 1003/87

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  • Some1

    Man merkt, dass das Urteil STEIIIIIINalt ist: Damals wurde noch mit gesundem Menschenverstand geurteilt.
    Wenn „korkiger Wein“ oder „mieses Essen“ zu mehr als 2, höchstens 3 Schlucken bzw. Bissen verzehrt wurde stellt sich die Frage nach einem Umtausch oder Erstattung doch gar nicht mehr!

    Ich finde das schon frech, wenn da Leute im Laden reklamieren kommen und haben von 15 Pralinen noch 2 in der Schachtel.