Wenn der Feinschmecker-Hund die drei teuersten Koikarpfen des Nachbars verzehrt

Das Landgericht in Coburg musste darüber bestimmen, ob ein Hund aus einem Gartenteich ausgerechnet die drei teuersten Zierfische im Gesamtwert von fast 18.000 Euro aufgefressen hatte und demnach ein Schadenersatzanspruch in dieser Höhe gegen die beklagte Hundehalterin besteht. Der Mann war zuvor bereits bei der Hundehaftpflichtversicherung der Halterin mit seiner Forderung gescheitert. Eine Zahlung wurde verweigert, es wurde Betrug vermutet.

Fest steht, dass der Kläger im Sommer 2006 rund 40 Kois in seinem Gartenteich hielt. Diese sollen je nach Farbe und Größe bis hin zu 100.000 Euro gehandelt werden. Darunter sollen sich nach dem klägerischen Vorbringen auch drei Prachtexemplare im Wert von 3.900, 4.900 und 7.900 Euro befunden haben. Genau diese Exemplare soll die Schäferhündin der mit ihm befreundeten und bei ihm angestellten Bekannten Mitte Juli 2006 erlegt haben.

Vor Gericht bestätigten die Ehefrau und Bekannte die Version des Klägers. Allerdings wertete das Gericht verschiedenes Vorbringen als lebensfremd: Es sei nicht nachvollziehbar, dass der Hund sich zielsicher die drei teuersten Kois geangelt haben soll.

Dass der Kläger die zwei wertvollsten Fische (im Hochsommer) 5 bis 6 Tage am Beckenrand liegen lassen und die stinkenden Kadaver dann begraben habe, ohne auch nur ein Foto angefertigt zu haben, sei ebenso unverständlich. Verwunderlich ist auch, dass eine Exhumierung nicht möglich sei, weil irgendein Tier den Schatz gehoben habe – während die offen daliegenden Fische mehrere Tage lang unberührt geblieben seien.

Wären für sich betrachtet das schon genügend Gründe, die Klage als unbegründet abzuweisen, korrigierte der Fischhändler auch noch seine Aussage, die die Version des Klägers ursprünglich bestätigte. Er gab nun zu Protokoll, ein entsprechender Verkauf habe nie stattgefunden. Seine ursprüngliche Aussage sei nur eine Gefälligkeit für den Kläger in dem Wissen gewesen, dass der die Versicherung habe betrügen wollen. Die Klage wurde abgewiesen.

In solchen Fällen wird die Gerichtsakte in der Regel an die Staatsanwaltschaft übersandt, da ein Anfangsverdacht wegen Betruges besteht. Ob dies im konkreten Fall geschehen ist oder bereits Ermittlungen liefen, ist nicht bekannt.

Fundstelle:
kostenlose-urteile.de (ra-online GmbH) vom 15.02.2008;
Landgericht Coburg, Urteil vom 11.12.2007 – 23 O 849/06

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  • Leser

    DUMMdreister geht es ja kaum!
    Ich hätte die Klage schon wegen grober Fahrlässigkeit (fehlende Sicherungsmassnahmen) abgewiesen. Da lagert der Herr 100.000 EUR „unter freiem Himmel“ und beschwert sich bei Schäden! Es hätten auch Katzen, Greifvögel, etc. kommen können.

    P.S. Ich bin ja total neugierig, was den Händler zur Änderung der Aussage bewogen hat. So ist Eure Story wie ein Krimi, dem die letzten 2 Seiten fehlen ;)

    • Thomas S

      Ich bin nicht mit der Juristerei verbandelt, aber reicht ein eingezäuntes Grundstück nicht schon als Sicherungsmaßnahme? Der Teich an sich dient ja der optischen Erbauung, der Fisch darin ist wohl das neue „mein haus, mein Auto, mein Boot“.
      Bin ich also selbst schuld, wenn mir mein Hab und Gut auf meinem Grundstück zerstört/getötet/entwendet wird?

      Ungeachtet der Argumente, natürlich ist er dummdreist ;-)