Anspruch einer Hexe auf Bezahlung des Liebeszaubers

Hexenprozesse der besonderen Art beschäftigen auch in der Moderne immer wieder Zivilgerichte, nämlich in den Fällen, in denen sich der versprochene Zauber in Luft auflöst. Über einen solchen Fall hatten das Amts- und Landgericht München zu entscheiden.

Der Lebensgefährte der Klägerin trennte sich von dieser, sehr zum Missfallen der Klägerin. Sie wollte sich damit ganz und gar nicht abfinden und schmiedete einen kühnen Plan: Eine Hexe solls richten! Zumindest bezeichnete sich die spätere Beklagte als solch eine Hexe.

So vereinbarte man gemeinsam die Durchführung eines Liebeszaubers, an dessen Ende die Rückkehr des ehemaligen Lebensgefährten stehen sollte. Für diese magische Dienstleistung wurden 1.000 Euro entrichet. Die beklagte Hexe führte sodann über mehrere Monate, jeweils vor Vollmond, das entsprechende Ritual durch, das leider ohne Erfolg blieb.

Konfrontiert mit den weltlichen Rückforderungsansprüchen der Klägerin wendete die Beklagte ein, es sei überhaupt kein Erfolg versprochen gewesen. Denn ein solches Ritual müsse nicht in jedem Fall wirksam sein, auch wenn es grundsätzlich als geeignet erscheint, verflossene Paare wieder zusammenzuführen.

Das Amtsgericht München beendete den bösen Zauber und verurteile die Beklagte zur Rückzahlung der geleisteten Vergütung. Dabei spiele es keine Rolle, ob die Beklagte einen Erfolg versprochen habe. Sie habe zumindest einen aus ihrer Sicht potentiell wirksamen Zauber vereinbart. Diese Vereinbarung sei jedoch tatsächlich auf eine Leistung gerichtet, die objektiv völlig unmöglich sei. Ein Liebesritual sei nicht geeignet, einen Menschen aus der Ferne zu beeinflussen. Da die geschuldete Leistung der Beklagten von dieser nicht erbracht werden könne, werde auch die Klägerin von ihrer Zahlungsverpflichtung frei. Sie könne auch das schon gezahlte Geld zurückverlangen. Dabei spiele auch keine Rolle, dass die Klägerin mit dem Vertrag einverstanden war, da sich in diesem Fall der Rückforderungsanspruch direkt aus dem Gesetz ergebe.

Die dagegen eingelegte Berufung blieb auch beim Landgericht München erfolglos.

Fundstellen:
kostenlose-urteile.de (ra-online GmbH) vom 01.11.2006; Urteil des Amtsgerichts München vom 5. April 2006, AZ 212 C 25151/05; Beschluss des Landgerichts München I vom 18. September 2006, AZ 30 S 10495/06.

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