Arschtritt ist keine betriebliche Tätigkeit

Eine Schichtarbeiterin gab an, während der Arbeit an einer Verpackungsmaschine von einer Kollegin in den Hintern getreten worden zu sein. Das Landesarbeitsgericht Düsseldorf beschäftigte sich in der Folge mit der rechtlichen Natur von Tritten in den Hintern am Arbeitsplatz.

Zunächst, so die Klägerin, habe man neben der Arbeit an der Maschine etwas herumgescherzt. Als sie sich dann wieder der Arbeit an der Maschine zugewandt hatte und sich dort gerade in gebückter Position befand, habe sie von einer Kollegin einen Tritt in den Hintern bekommen. Diese trug, wie auch die anderen Arbeiterinnen, mit Stahlkappen verstärkte Sicherheitsschuhe. Erst am nächsten Tag begab sich die Getretene ins Krankenhaus. Dort stellte man einen Bruch des Steißbeines fest.

Im Rahmen seines Urteils bezüglich der zustehenden Schadensersatzansprüche stelle das Landesarbeitsgericht Düsseldorf dann fest, dass Tritte in den Hintern nicht zur betrieblichen Tätigkeit zählen, selbst dann nicht, wenn sie der Disziplinierung oder Arbeitsförderung dienen sollen:

Der Tritt ins Gesäß des Untergebenen oder Arbeitskollegen gehört nicht zu den betrieblichen Tätigkeiten i.S. von § 105 Abs. 1 SGB VII. Zwar mag gelegentlich im Arbeitsleben die Äußerung, daß man den NN mal in den Hintern treten müßte, zum saloppen Umgangston gehören. Der Sprecher will durch die plastische Ausdrucksweise seine Meinung kundtun, dass die durch einen solchen Tritt geförderte Vorwärtsbewegung des/der Betroffenen auch arbeitsleistungsmäßig wünschenswert wäre. Gleichwohl zweifelt niemand daran, dass nach geltendem Arbeitsrecht weder ein Vorgesetzter noch eine Vorgesetzte berechtigt sind, durch Handgreiflichkeiten oder den ominösen Tritt einen untergebenen Mitarbeiter zu disziplinieren.

Zwar könne eine Verletzung durch das Herumalbern bei der Arbeit durchaus einer betrieblichen Tätigkeit zugerechnet werden können, doch sei dies immer abhängig von den Umständen des Einzelfalles. Im vorliegenden Fall sei dies jedoch zu verneinen, da der Tritt zeitlich isoliert vom Herumalbern geschehen ist und daher eine Fehleinschätzung der Situation auszuschließen sei.

Fundstelle:
Landesarbeitsgericht Düsseldorf, Urteil vom 27.05.1998 – 12 (18) Sa 196/98

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  • Nimulos Maltibos

    Zutreten mit der Stahlkappe? Wenn ich jemanden mit meinen Stahlkappenschuhen tret, dann mit der Sohle, weniger Impuls auf größere Fläche.