China-Böller im Dixi-Klo – Silvesterscherz rechtfertigt fristlose Kündigung

Das Arbeitsgericht in Krefeld musste sich mit einem „Silvesterscherz“ beschäftigen, der zur fristlosen Kündigung führte.

Der Kläger habe auf dem Betriebsgelände der Beklagten einen Feuerwerkskörper von oben in eine dort aufgestellte mobile Toilettenkabine geworfen, in der sich der Kollege des Klägers aufgehalten habe. Sein Kollege sei durch den explodierenden Feuerwerkskörper erheblich verletzt worden. Er habe Verbrennungen am rechten Oberschenkel, am rechten Hodensack und an der rechten Leiste erlitten. Aufgrund seiner Verletzungen sei der Kollege drei Wochen arbeitsunfähig erkrankt gewesen.

Auch in der Vergangenheit habe der Kläger gegenüber seinen Kollegen unangemessenes Verhalten gezeigt. Er habe seine Kollegen auf das Gröbste und unflätige Weise beschimpft und sei auch vor Tätigkeiten nicht zurückgeschreckt. Deshalb habe der Kläger auch eine mündliche und eine schriftliche Abmahnung erhalten.

Ein derartiges Verhalten könne die Beklagte nicht tolerieren, insbesondere, wenn es bei dem Mitarbeiter wie dem Kläger um einen Vorarbeiter handele, der auf den Baustellen Verantwortung für seine Kollegen in einem gefährlichen Gewerk, den Gerüstbau, zu übernehmen habe. Die Beklagte kündigte dem Kläger fristlos.

Der Kläger erhob gegen die Kündigung Klage und hat die Ansicht vertreten, dass keine so schwerwiegende Pflichtverletzung vorliege, dass dies unmittelbar die fristlose Kündigung rechtfertigen würde. Der kollegiale Umgang auf Gerüstbaustellen sei auch schon mal etwas ruppiger. Scherze seien durchaus üblich, dabei sei in der Vergangenheit auch öfter bereits mit Feuerwerkskörpern gescherzt worden. Derartiges habe im Kollegenkreis als Stimmungsaufheller gegolten. So sei es auch an dem fraglichen Tag geplant gewesen. Die Herbeiführung von Verletzungen bei dem Arbeitskollegen sei nie beabsichtigt gewesen.

Dem ist das Arbeitsgericht nicht gefolgt und hat die Kündigungsschutzklage abgewiesen. Unerheblich war für das Gericht, ob der Böller von oben in die Toilettenkabine hineingeworfen oder aber an der Tür befestigt worden war, von wo er sich aus Versehen löste und dann in der Kabine explodierte. In beiden Fällen liege ein tätlicher Angriff auf einen Arbeitskollegen vor, bei dem mit erheblichen Verletzungen des Kollegen zu rechnen war. Bereits darin liege ein wichtiger Grund zur fristlosen Kündigung des Arbeitsverhältnisses.

Dass der nicht sachgerechte Umgang mit Feuerwerkskörpern zu schweren Verletzungen führen kann, sei allgemein bekannt. Das gelte erst recht, wenn wie hier in einer Weise damit hantiert werde, dass dem Betroffenen keinerlei Reaktions- und Fluchtmöglichkeit eröffnet seien. Einer vorhergehenden Abmahnung habe es angesichts der Umstände des Falles nicht bedurft. Trotz der bereits langen Betriebszugehörigkeit von 15 Jahren sei der Beklagten hier auch nicht einmal mehr die Einhaltung einer Kündigungsfrist zuzumuten gewesen.

Dabei war zum einen die Schwere der Pflichtverletzung ausschlaggebend und zum anderen auch der Umstand, dass der Kläger als Vorarbeiter gerade gehalten gewesen wäre, solches Fehlverhalten zu unterbinden.

Fundstelle:
Beck-Blog (Prof. Dr. Markus Stoffels) vom 06.01.2013
Arbeitsgericht Krefeld, Urteil vom 20.11.2012 – 2 Ca 2010/12

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