Mietminderung bei Urinstrahl­geräuschen im Wohnzimmer durch nachbarlichen „Stehpinkler“

Urinstrahlgeräusche des Nachbarn können unangenehm sein, vor allem dann, wenn sie in der eigenen Wohnung zu hören sind. In dem vorliegenden Fall hörte der Mieter in seinem Wohnzimmer die „Stehpinkelgeräusche“ aus dem Bad seines Nachbars. Deswegen kürzte er seine Mietzahlungen, der Vermieter klagte auf Zahlung des einbehaltenen Betrages.

Im Prozess wurde die Einholung eines Gutachtens beschlossen, der Sachverständige führte aus: Zwar seien nicht sämtliche Nutzungsgeräusche aus dem Sanitärbereich der anderen Wohnung laut hörbar, jedoch seien die Uringeräusche eines „Stehpinklers“ akustisch deutlich auffällig vernehmbar gewesen. Die Ursache der ungewollten Geräusche läge in einem harten Verbund zwischen Stand-WC und Estrich bzw. Rohdecke. Der Vermieter führte an, dass das in dem 1978 gebauten Haus technisch nicht anders möglich sei.

Das Gericht stufte die Geräusche im Wohnbereich als „sehr penetrant“ und „unangenehm“ ein. Der Wohnbereich würde für die Einnahme von Speisen und den Besuch sowie den Empfang von Gästen genutzt. Das Landgericht Berlin hielt die Uringeräusche für so gravierend, dass es dem Mieter eine Mietminderung von 10 % zugestand.

Es dürfe in einem 1978 errichteten Gebäude erwartet werden, dass solche Geräusche nicht im Wohnbereich auftreten. Dass dies technisch nicht anders möglich sei, glaubte das Gericht nicht. Es dürfte allenfalls noch hinnehmbar sein, bzw. dem Üblichen entsprechen, dass derartige Geräusche unter Umständen gedämmt im eigenen Bad vernommen werden können, aber nicht im gesamten Wohnbereich.

Fundstelle:
kostenlose-urteile.de vom 04.06.10;
Landgericht Berlin, Urteil vom 20.04.2009 – 67 S 335/08

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