Sex auf der Terrasse rechtfertigt Abmahnung

Dem Amtsgericht Bonn wurden in einem Verfahren Fotos vorgelegt, auf welchen eine Frau und ein Mann eindeutig sexuelle Handlungen auf einer Terrasse vornahmen. Das Gericht hatte zu entscheiden, ob dadurch der Hausfrieden beeinträchtigt wurde.

Mehrere Mieter eines Hauses beschwerten sich über die weibliche Bewohnerin, welche mit einem Gast auf der einsehbaren Terrasse sexuell aktiv wurde. Ein Mieter hat die Handlungen sogar auf Fotos festgehalten. Da sich in der Nachbarschaft auch mehrere Kinderspielplätze befinden, zeigten die anderen Mieter keinerlei Verständnis für die sexuelle Freizügigkeit.

Der Vermieter mahnte die Frau daraufhin ab. Dem in der Sache entscheidenden Gericht wurden sodann auch die Fotos vorgelegt. Das Gericht entschied, dass durch die sexuellen Handlungen an diesem einsehbaren Ort tatsächlich der Hausfrieden gestört wurde und daher die Abmahnung zu Recht erfolgte. Durch ihr Verhalten habe die Abgemahnte gegen das gegenseitige Gebot zur Rücksichtnahme verstoßen.

Für die vorgelegten Fotos hingegen zeigte das Gericht kein Verständnis. Die Aufnahmen sind auf rechtswidrigem Weg entstanden und verletzen die Mieterin in ihrem allgemeinen Persönlichkeitsrecht. Daher hatte der Fotograf die Fotos an die Mieterin herauszugeben. Ferner wurden die Bilder vom Gericht nicht als Beweis verwendet.

Fundstelle:
Amtsgericht Bonn, Urteil vom 17.05.2006 – 8 C 209/05

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  • Lexi

    Plakate mit Zigarettenwerbung, Leichen in den Mittagsnachrichten, waffennachahmendes Spielzeug, Kaugummizigaretten mit Erdbeergeschmack, Schulhofgewalt und wegschauende Lehrer, Märchen von Hans Christian Andersen, bis zum Gehtnichtmehr durchgegendertes Spielzeug, Hiphopper-Foren …
    Es gibt so viele Gefahren, welche geeignet sind, Kindern psychisch und physisch zu schaden.

    Und jetzt stürzt man sich ausgerechnet auf das einvernehmliche Ausdrücken gegenseitiger Zuneigung zwischen zwei Menschen? Ich verstehe diese Moral einfach nicht.

    ~_~

    • Nimulos Maltibos

      Das gesellschaftliche Tabu gegenüber Sexualität scheint schon länger nicht mehr ganz zeitgemäß, wenn ich Grundschüler schon über sex reden hör ist mir das ehrlich gesagt lieber als wenn sie über Gewalt reden. Einvernehmlicher Koitus ist meistens sehr viel weniger schädlich als (üblicherweise nicht einvernehmliche) Gewalt.

  • Ich denke hier ging es eher um den Bruch des Gesetztes. Geschlechtsverkehr in der Öffentlichkeit ist nun halt einfach mal gesetzlich verboten. Auch Erregung öffentlichen Ärgernisses genannt. Das ist im Grunde wie das überqueren der Straße bei einer roten Ampel. Auch bei wenig oder keinem Verkehr ist dies eine Ordnungswidrigkeit. Da fragt auch keiner nach Moral.