Todesstrafe für den eigenen Mandanten gefordert: Anwalt wegen „unerklärlicher Inkompetenz“ Zulassung entzogen

Foto: youtube.com

Dem Anwalt Dennis Hawver aus dem US-Bundesstaat Kansas wurde wegen „unerklärlicher Inkompetenz“ die Zulassung entzogen. Der Mann, der zu seiner disziplinarischen Anhörung vor dem Kansas Supreme Court im Thomas Jefferson-Kostüm erschien, hatte zuvor in einem Mordverfahren gefordert, die Jury solle den Täter zum Tode verurteilen.

Die „unerklärliche Inkompetenz“ trat zuletzt im Fall der Vertretung des wegen Mordes angeklagten Phillip Cheatham zu Tage. In diesem Verfahren argumentierte Hawver, sein Mandant wäre niemals so dumm gewesen, zwei Personen zu erschießen, aber eine dritte Frau, die ihn später identifizieren konnte, am Leben zu lassen. Cheatham sei ein professioneller Drogendealer und geübter Todesschütze, weshalb er natürlich auch weniger Munition gebraucht hätte.

Hawver erwähnte auch so, dass die der Jury nicht näher bekannte Vorstrafe seines Mandanten ausgerechnet wegen eines Totschlags ergangen war und versuchte nicht, einen Unschuldsbeweis anhand der GPS-Daten von Cheathams Handy zu führen.

In seinem Plädoyer forderte er die Jury auf, sie möge den Täter doch zum Tode verurteilen. Dies geschah wohlgemerkt in einem Verfahrensabschnitt, in dem die Geschworenen sich bereits darauf festgelegt hatten, dass Cheatham der Täter war.

Schließlich wurde gegen den Angeklagten tatsächlich die Todesstrafe verhängt. Cheatham kam aber zugute, dass die Entscheidung aus 2005 noch nicht vollstreckt wurde. Die Sache wird vielmehr neu verhandelt – mit einem neuen Verteidiger.

Dennis Hawver landete im September dann selbst vor Gericht – in einem Disziplinarverfahren, in dem es um seine Anwaltszulassung ging. Hawver erschien im Kostüm als Thomas Jefferson, den er als seinen „Helden“ und Urvater der amerikanischen Verfassung bezeichnet. Weder das Kostüm, noch seine Ausführungen konnten das Gericht davon überzeugen, ihm nicht die Zulassung zu entziehen: So führte das Gericht in seinem 48-seitigen Urteil aus, dass das Recht auf freie Rede eben nicht schrankenlos gewährleistet wird, sondern seine Grenzen unter anderem im Schutz der Mandanten, die vor unsinnigen oder gar schädlichen Ausführungen ihrer Verteidiger geschützt werden sollen, findet. Es nützte ihm auch nichts, sich auf das Recht auf anwaltliche Vertretung zu berufen – dieses steht folgerichtig nur seinem Mandanten zu.

Einmal bringt Hawver kurz Spannung in die Anhörung, indem er mit der Faust aufs Rednerpult schlägt und erklärt: „I am incompetent!“.
Der Kansas Supreme Court folgte seinem Ausspruch und ordnete das Notwendige im Urteil an.

Im Mai hatte er gegenüber dem Topeka Capital Journal erklärt, dass er sich unabhängig vom Ausgang des Verfahrens aus dem „unproduktiven“ Anwaltswesen zurückziehen wolle, stattdessen wolle er Gemüse in einer Hydrokultur anbauen.

Hawvers Auftritt vor dem Supreme Court im Rahmen der Anhörung kann ab 22:37 in diesem Video betrachtet werden:


Fundstelle:
Legal Tribune Online vom 29.11.2014;
Urteil des Kansas Supreme Court No. 111,425

Schlagworte:
, , , , , , , ,
  • Sinebarba

    Ein Unikum: Wer diesen Anwalt hatte, hat seinen schlimmsten Feind auch noch selbst bezahlt.