Freispruch für den Chili-Schoten-Exhibitionisten

Was sich am 9. März 2014 an einem Radweg unweit vom Hebewerk am Dattelner Kanal (NRW) ereignet hat, kann man ohne Übertreibung als kurios bezeichnen. Spaziergänger sahen einen schweißgebadeten Mann, der sich mit runtergezogener Hose wie ein wild gewordenes Tier über eine Wiese rollte, wimmerte und sich dabei immer wieder an sein bestes Stück fasste.

„Uns ist richtig übel geworden“, äußerte sich eine Spaziergängerin. Die Zeugin war dort mit ihren kleinen Kindern unterwegs. „Ich als Mama hatte richtig Angst“, sagte sie mit tränenerstickter Stimme.

Die Zeugin alarmierte sofort die Polizei. Aber auch die zwei eintreffenden Beamten konnten den nackten und aufgebrachten Mann nicht besänftigen, er war auch nicht in der Lage zu reden. Die Polizei stellte die Personalien fest. Es folgte die Anklage der Staatsanwaltschaft wegen sexueller Handlungen vor Kindern.

Am Amtsgericht Recklinghausen lösten sich die Vorwürfe aber schnell in Luft auf. Der Angeklagte setzte zu einer Erklärung an, die zuvor auch sein Anwalt Jens Tuschhoff („Ich habe ihm gesagt: Na dann, versuchen sie ihr Glück!“) nicht abnehmen wollte.

Allerdings handelt es sich um eine Geschichte, die sich kein Mensch freiwillig ausdenken und in öffentlicher Verhandlung vortragen würde, wenn sie denn nicht stimmt. „Ich hatte unglaubliche Schmerzen, wollte nur, dass das endlich aufhört“, so der Mann.

Der Angeklagte wollte am besagten Abend Pizza backen und hatte hierfür Zutaten besorgt. Darunter war auch eine Tüte mit extra scharfen Chilis (Habaneros). Seine Dattelner Freundin verspätete sich, so dass der Mann sich an den Kanal setzte, ein, zwei Bier, trank, aber auch eine Chilischote probierte. Mit einer Pinkelpause an einem nahen Zaun begann dann das Unheil, es folgten nach eigenen Angaben „fürchterliche Schmerzen“. Denn alles, was mit den mit Chili kontaminierten Händen in Berührung kam, brannte wie Feuer.

Der 43-Jährige: „Ich habe Taschentücher genommen, gerieben und gerubbelt, sogar Bier drüber geschüttet. Am Ende habe ich aber auch gar nichts mehr gesehen“. Erst „vier Stunden später“ habe das Brennen und Schwitzen so langsam aufgehört.

Amtsrichterin Christine Lenz fand die „Unfallversion“ glaubwürdig und sprach ihn frei. Ihr Rat: „Sie sollten nicht mehr so scharfe Chilis essen.“

Fundstelle:
derwesten.de (Werner Braunschweig) vom 18.01.2015

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  • FuerstBerg

    Tipp am Rande:
    Das, was bei Chilis brennt, ist Capsaicin. Das löst sich weder in Wasser noch Alkohol, sondern in Fett. Hätte der junge Herr noch Milch gekauft, hätte er diese über sein bestes Stück schütten können und das Brennen hätte sehr schnell aufgehört.