Peinliches Schämen statt Knast

Straftäter einfach nur zu Gefängnisstrafen zu verurteilen scheint einigen US-Richtern zu primitiv. Sie wählen ein anderes Mittel zur Resozialisierung: Die Straftäter müssen sich unangenehmen oder peinlichen Situationen aussetzen.

Richter Michael Cicconetti schaffte es mit seinen Urteilen schon wiederholte Male in die Schlagzeilen. Statt seine Pappenheimer direkt in das Gefängnis zu stecken, gibt er ihnen stattdessen die Wahl, sich für Peinlichkeitsstrafen zu entscheiden.

Aus der Krippe einer Kirche stiehl ein Paar das Jesuskind. Die von Cicconetti verhängte Strafe: Wie Maria und Josef mussten die beiden, mit einem Schild mit der Aufschrift „Wir bedauern die Tat“ umgehängt, mit einem Esel durch die Stadt laufen.

Eine Frau setzte dutzende Katzen in einem Wald aus. Um die Konsequenzen am eigenen Leib zu erfahren, musste sie mehrere Stunden in einem kalten Wald verbringen. „Sie können den Koyoten und den Waschbären zuhören.“ so Cicconetti zur Verurteilten.

Ein junger Mann bekam für seine Straftat die Wahl: Dafür, dass er einen Polizisten als Schwein beschimpfte, konnte er zwischen drei Tagen Gefängnis oder zwei Stunden posieren neben einem Schwein in der Stadt wählen. Tatsächlich entschied er sich für die demütigende Variante und posierte am Schweingehege, das die Aufschrift „Dies ist kein Polizeibeamter“ trug.

Statt das Leben der Straftäter mit Gefängnisstrafen zu schädigen, hält Cicconetti, wie auch andere Richter in den USA, die Peinlichkeitsstrafen für viel wertvoller. Sie regen zum Nachdenken an. Da man immer die Wahl hat stattdessen eine einfache Gefängnisstrafe abzusitzen, sei es auch verfassungsmäßig.

Gegner der Strafen sind bereits vor dem obersten Gerichtshof gescheitert. Tatsächlich seien aber die meisten, die sogenannte „shame sanctions“ verbüßten sogar dankbar dafür gewesen.

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  • justizbiene

    Hum… die Renaissance des mittelalterlichen Prangers? Auch wenn ich bei Jugendlichen und Heranwachsenden ein großer Freund (hoffentlich) pädagogisch wertvoller Auflagen bin, dürfen diese doch die Menschenwürde des Verurteilten nicht verletzen… und genau das tun Prangergeschichten.

    • Ich bins

      Auch wenns 2 Jahre zu spät kommt: Beim Pranger gabs keine Wahlmöglichkeit. Die Leute haben alle die Wahl zwischen Gefängnis oder „shame sanctions“. Von daher seh ich kein Problem.

    • Nimulos Maltibos

      Hier werden die Leute nicht mit fauligem Obst oder ähnlichem beworfen, sie stehen nicht tagelang dran, müssen nicht freigekauft werden, sie müssen diese Demütigung nichtmal hinnehmen sondern können sich auch lieber inhaftieren lassen. Sie machen ein paar Stunden was beschämendes, ohne dabei in Gefahr zu geraten, von etwas hartem abgeworfen zu werden oder sich nach zwei Nächten in zu knapper Kleidung ne Lungenentzündung zu holen (selbst die paar Stunden im kalten Wald gehen ja noch vergleichsweise), sie sind nicht irgendwo fixiert und die Haltung wird auch nicht so unangenehm sein wie die gebückte und oft etwas verrenkte Position am Pranger, und sie müssen nicht hoffen dass irgendein Freund oder Verwandter Mitleid hat und sie freikauft.

      Die Schande und Unannehmlichkeit dürfte also deutlich geringer als beim Pranger liegen, den Vergleich finde ich also etwas überzogen. Die Verletzung der Würde ist hier dadurch nicht gegeben, dass sie sich ja selbst für die Demütigung entscheiden.

  • Ich bins

    *lol*, klar sind sie dankbar. Wenn ich die Wahl hab zwischen 3 Tage Knast oder 2 Stunden irgendwo rumsitzen wähl ich auch die 2 Stunden. Wenn es einem egal ist was andere von einem denken gibts bei sowas auch kein Schämen.