Richter und Pharisäer – Ausschank am Richtertisch

Pharisäer waren nicht nur Schulen in der Antike. Heute ist dieser Begriff vornehmlich als Heißgetränk aus Kaffee, Sahne und vor allem Rum bekannt, das seinen Ursprung auf der Insel Nordstrand hat. Wie viel Rum in einen Pharisäer hinein muss, war tatsächlich eine Rechtsfrage für einen Richter am Amtsgericht Flensburg.

Dieser Frage lag folgender Sachverhalt zugrunde: Der Beklagte war Gast in einem Lokal, welches das anregende Heißgetränk auf einem Werbeschild am Gasttisch mit der Aufschrift „Pharisäer nach Originalrezept“ feil bot. Hierdurch lies sich der Gast zu einer Bestellung verführen. Mit dem Ergebnis allerdings wollte dieser sich ganz und gar nicht zufrieden geben. Entgegen der Ansicht des Gastwirts, der einen Rumzusatz von 2 cl für ausreichend erachtete, hielt der Gast eine höhere Menge Rum für ein Genusserlebnis angemessen. Da zwischen Gast und Wirt keine Einigung erzielt werden konnte, verweigerte der Gast die Bezahlung. In der Folge nahm der Gastwirt den Gast auf Zahlung in Anspruch und die Sache wurde vor dem Amtsgericht anhängig gemacht – denn immerhin ging es um EUR 3,50.

Der für die Entscheidung des Rechtsstreits berufene Richter, dem der Sachverhalt vorgetragen wurde, hatte offenbar helle Freude an dem Fall, wie sich nicht zuletzt aus den vorliegenden Entscheidungsgründen des Urteils ergibt: „Ihm (d.h. dem Richter [Anm. d. Autors]) sei durchaus bekannt, dass verschiedene Rezepte im Umlauf seien. Das Originalrezept aber beschreibe ein Getränk, das ‚hochprozentig alkoholhaltig’ ist und deswegen deutlich den Rumzusatz schmecken lässt. Denn das Getränk soll aufgrund des ‚herzhaften’ und ‚ordentlichen Schusses Rum’ als ‚köstliches Getränk Leib und Seele wärmen’. Das ist bei einem Rumzusatz von zwei Zentilitern jedoch nicht der Fall.“

Auch während der mündlichen Verhandlung ließ der Richter keinen vernünftigen Zweifel daran, dass dieser Fall ihm ersichtlich Spaß machte. So überzeugte er sich im Rahmen der Beweisaufnahme mittels einer Geschmacksprobe persönlich davon, dass Pharisäer mit einem Gehalt von lediglich 2 cl Rum schlicht und ergreifend fad schmeckt. In den Entscheidungsgründen heißt es hierzu weiter: „Es handelt sich hier um ein Kaffeegetränk mit geringem alkoholischem Beigeschmack, keinesfalls aber um ein köstliches, hochprozentig alkoholhaltiges Getränk.“

Die Entscheidung des Richters fiel eindeutig aus. Der Beklagte musste den Pharisäer nicht bezahlen, stattdessen wurde die Klage zurückgewiesen mit der entsprechenden Kostenfolge zu Lasten des klägerischen Gastwirtes, der zudem auch die notwendigen Auslagen zu tragen hatte.

Fazit des Autors: Kaffee kann, Sahne darf, Rum muss! Dieser Ansicht wäre man sicherlich auch bei den alten Pharisäer gewesen ;-)

Fundstelle:
AG Flensburg, Az.: 63 C 84/81

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