Studie enthüllt Urlaubsverhalten: Je höher der Bildungsgrad, umso eher wird geklaut

Das Reiseportal Travel24.com bestätigt das, was schon vorher vermutet wurde: Vielen Deutschen erscheint Diebstahl nicht der richtige Begriff, wenn sie im Urlaubshotel Seife, Shampooflasche, Stift oder Flaschenöffner einstecken. Fast jeder Hotelgast hat schon Hoteleigentum in die eigene Tasche gesteckt.

Wird doch davon ausgegangen, dass angebrochene Hygieneartikel von den Reinigungskräften nach dem Auschecken des Gastes ohnehin entsorgt werden. Oder dass mit dem Hotellogo bedruckte Stifte gerade in dem Ansinnen, weiter verbreitet oder in Erinnerung zu bleiben, ausgelegt werden.

Reisegäste, die gar Dekoartikel, Lampen, Teppiche und Fernseher in ihren Koffer stopfen, seien die absolute Ausnahme. Das geht aus der Umfrage des Reiseportals Travel24.com, in der knapp 6000 Deutsche danach befragt wurden, ob und was sie in den letzten zwei Jahren aus Hotels mitgenommen haben, hervor.

Herausgekommen ist eine 23 Punkte umfassende, im Internet abrufbare Klauliste, auf der die Positionen „Safe-Inhalt“, „Zimmerdeko“, TV-Gerät“, „TV-Fernbedienung“ und „Radio“ ganz am Schluss auftauchen, da lediglich ein Prozent der Befragten angab, diese Dinge entwendet zu haben.

Klar muss aber sein: Diebstahl ist Diebstahl – Dies gilt auch für das Brötchen, das laut einer Swoodoo-Umfrage jeder zweite weibliche Hotelgast vom Frühstücksbüfett nimmt, in die Handtasche packt und es dem noch schlafenden Partner ins Zimmer bringt. Das fällt unter unerlaubtes Entwenden. Wer glaubt, hier gehe man straffrei aus, denn das sei sogenannter Mundraub und deshalb straffrei, irrt sich. Bis 1975 verwendeten Juristen den Begriff tatsächlich, wenn sich Eheleute und enge Verwandte Lebensmittel vorenthielten, was als straffrei durchging. Seit einer Strafrechtsreform vor 40 Jahren gibt es aber keine Ausnahmen mehr.

In der Praxis kann man zwar nicht von jedem Hotelgast strafrechtliches Spezialwissen verlangen. Allerdings sollte man von Abiturienten erwarten können, dass sie zwischen Recht und Unrecht unterscheiden können. Die Studie bringt aber ein ganz anderes Bild ans Licht: „Je höher die Bildung ist, desto mitnahmefreudiger sind die Gäste.“

So gaben mehr als die Hälfte (53 Prozent) der in der Umfrage geständigen Hoteldiebe an, Abitur oder (Fach-)Hochschulreife zu haben. Am vorbildlichsten verhalten sich demnach Hotelgäste mit Volks-/Hauptschulabschluss, denn 91 Prozent wollen sich in den letzten zwei Jahren nicht am Hoteleigentum bereichert haben.

Betrachtet man die Studie unter dem Aspekt „Gelegenheit macht Diebe“, erscheinen die Ergebnisse zunächst nicht fernliegend. So liegen gute Hygieneartikel und Schreibutensilien, die mit Abstand den größten Anteil am Diebesgut ausmachen, eher selten in einfachen Etablissements aus. Dementsprechend sind unter den bestohlenen Hotels nur vier Prozent Einsternehäuser und fünf Prozent Zweisternehäuser.

Daraus den Schluss zu ziehen, Menschen mit niedrigerem Bildungsgrad seien nur deshalb ehrlicher, weil sie in der Regel weniger Geld verdienten und deshalb überwiegend in Ein- und Zweisternehäusern absteigen, ist falsch:

Im Gegenteil: Reisende mit einen Bruttoeinkommen von weniger als 1250 Euro im Monat machen gerade mal zehn Prozent der Hoteldiebe aus. Zum Vergleich: Jeder dritte Deutsche, der sich der mittleren Einkommensgruppe, 1750 bis 3249 Euro, zurechnet, ist per Definition ein Langfinger.

Weiterer Fakt: In der Gruppe der Einkommensstärksten (mehr als 6000 Euro brutto) haben 97 Prozent nach eigener Aussage eine weiße Weste. Für die Richtigkeit dieser Aussage spricht, dass Luxushotels (fünf Sterne und mehr) kaum Probleme mit Hoteldiebstahl haben.

Vier von fünf Diebstählen werden in Drei- und Viersternehäuser begangen, die den Großteil der Verluste in der Branche verkraften müssen, was im befragten Zeitraum von zwei Jahren immerhin 37 Millionen Euro ausmacht.

Fundstellen:
Welt.de (Bettina Seipp) vom 09.01.2015; Travel24.com Studienergebnisse

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  • Langfinger

    Wie stiehlt man denn den Inhalt des Safes? Die Luft wegatmen?
    Speziell bei Verbrauchsartikeln (Shampoo, …) vermag ich gar keinen Diebstahl zu erkennen, denn ich nehme dem Anderen nichts weg (im Gegenteil: Er spart sich die Entsorgung der angebrochenen Flasche).

  • raddi

    …ähnlich irritierend ist der „Brötchenfall“. Warum sollte ich bei ÜF meiner vielleicht noch schlafenden Frau kein Brötchen ihres Frühstücks aufs Zimmer mitbringen? Da ist nix „entwendet“ – das ist schlicht bezahlt!
    Anders mag es mit quasi zusätzlicher Mitnahme von Esswaren fürs – nicht inbegriffene – Mittagessen aussehen.