UFO-Alarm in der JVA Oslebshausen: Jungfernflug der Drogendrohne endete im Gefängnishof

Es war der Abend des 4. Dezembers, als die Wachleute der Justizvollzugsanstalt Oslebshausen bei einem Routinerundgang auf dem sogenannten Freistundenhof ein zunächst unbekanntes Flugobjekt auf dem Boden entdeckten.

Es musste offenbar über dem JVA-Gelände abgestürzt sein. Die nähere Untersuchung ergab, dass sich unterhalb des Rumpfes eine Kugel befand, in die zehn Gramm Marihuana gepresst waren.

Die Anstaltsleitung rief die Polizei, die das Fluggerät als Multicopter identifizierte, wie man ihn seit einiger Zeit im Handel bekommen kann. Es handele sich um eine Drohne vom Typ DJI Phantom 1, welche über vier Propellerarme verfügt und in der Regel mit einer Kamera bestückt ist. Preislich liegt das Gerät im Internethandel bei etwa 400 Euro. „Auch völlig ungeübte Piloten können den Phantom sicher und präzise steuern“, heißt es in der Produktbeschreibung.

Die Schmuggler sind den Ermittlungsbehörden bisher nicht bekannt. Die Polizei hatte kurz nach dem Vorfall darauf verzichtet, die Medien zu informieren. Erst auf die konkrete Nachfrage des Weser Kuriers bestätige das Justizressort des Senats den Vorfall. Nach Auskunft von Behördensprecher Jörg Lockfeldt hat sich die JVA Oslebshausen inzwischen auf die neuartige Bedrohung aus der Luft eingestellt. Die Kontrollen vor den Hofgängen der Gefangenen wurden intensiviert. „Wir haben außerdem unsere Mitarbeiter für das Problem sensibilisiert und sie dazu angehalten, gelegentlich mal einen Blick nach oben zu werfen“, so Lockfeldt. Auch technische Vorkehrungen würden zurzeit geprüft. Geplant ist zudem auch die Anschaffung sogenannter GPS-Jammer. Damit könnten die Steuerungssignale der Multicopter gestört werden.

Weit verbreitet scheinen solche Drohnenfälle im Bundesgebiet noch nicht zu sein: „Von Drohnen haben wir bisher noch nichts gehört“, so der Sprecher des Bundesjustizministeriums, Piotr Malachowski. Ansonsten gibt es nur noch einen Hinweis auf einen etwas dubiosen Vorfall in der hessischen JVA Weiterstadt. Dort hatten Vollzugsbeamte im Juli 2013 drohnenartige Geräusche wahrgenommen und die Polizei verständigt. Die Suche verlief allerdings ergebnislos.

Aus dem Ausland sind nur gescheiterte Flüge überliefert, in denen per Multicopter Schmuggelware in Gefängnissen abgeladen werden soll, etwa in Irland und den USA.

Fundstelle:
Weser Kurier (Jürgen Theiner) vom 15.01.2015

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  • Mitleser

    „Aus dem Ausland sind nur gescheiterte Flüge überliefert“.
    Echt jetzt?
    Wie würde denn ein gelungener Flug (mit ansatzweiser Wahrscheinlichkeit) bekannt werden?!
    Die sehen nur die Spitze des Eisbergs, die paar Flüge die schief gehen!