Wiese oder Wald, das war hier die Frage: 15 Experten beim Ortstermin

Manchmal wünscht man sich gerne Wald wo keiner mehr ist, dachte sich wohl die Stadt Burgdorf, als sie dem Architekten Klaus Deneke die Baugenehmigung verweigerte. Der Grund: Auf der Baufläche in Ramlingen soll sich schützenswerter Wald befinden! Der Baugrund stellt aber eine Freifläche dar, Bäume grenzen nur vereinzelt an.

Deneke hatte das Grundstück (1215 Quadratmer) für über 100.000 Euro erworben, Erschließungsgebühren gezahlt und bereits sieben Bäume gefällt. Als er endlich mit dem Bau beginnen wollte, schaltete sich die Untere Waldbehörde ein, verhinderte vorläufig eine Genehmigung: Der Wald sei wichtiger als das Interesse des Architekten, hier ein Haus zu bauen.

Es kam wie es kommen musste, der Mann klagte und das Verwaltungsgericht Hannover setzte einen Ortstermin an, um der Wald/Wiesenfrage nachzugehen. So standen nun in etwa 15 Juristen, Stadtmitarbeiter und Experten vor der Klärung der Frage, ob dieses Grundstück eine grüne Wiese ist, oder doch ein Wald.

So sagte ein Mitarbeiter der Region Hannover: „Waldrestbestände sind wichtig. Ich habe Vögel umher fliegen sehen, die hier brüten.“ Es sei kein Argument, dass auf dieser Wiese gar kein Baum mehr stehe. Eine Kollegin vom Forstamt ergänzte: „Der Wald ist wichtig zur Windberuhigung, Beschattung und Luftverbesserung“

Richter Ingo Behrens sah das Ganze nach Inspektion der Umstände etwas klarer: „Unstrittig ist, dass hier kein Wald steht! Diese Fläche soll frei bleiben, damit auf den anderen Grundstücken ein besseres Klima herrscht?“

Klägeranwalt Eckhard David: „Das ist Comedy.“

Noch am Nachmittag verkündete der Richter sein Urteil: Der Architekt darf an gewünschter Stelle bauen.

Fundstelle:
VG Hannover, Urt. vom 04.02.2014, Az.: 4 A 6481/12.

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