Zum Tanz gezwungen und dabei aus dem Fenster gestürzt

Beim Tanzen aus dem Fenster gefallen – dies klingt nach einem leidenschaftlichen und wilden Tänzchen. Für die Geschädigte stellte sich die Situation jedoch ganz anders dar – Sie klagte auf Entschädigung vom vermeintlichen Tanzpartner.

Während einer Veranstaltung war der Beklagte auf die Klägerin zugerannt und hat diese auf die Tanzfläche gezogen. Währenddessen machte er einige große Sprünge und verlor im Verlauf der Bewegungsabfolge das Gleichgewicht. Daraus resultierend stürzte er rückwärts aus dem geöffneten Fenster und zog dabei die Geschädigte mit sich. Die ganze Situation dauerte nur wenige Sekunden, sodass die Klägerin keine Möglichkeit hatte, der „Aufforderung“ zum Tanz zu widersprechen.

Nach Ansicht des Gerichts stellt das Geschehene keinen gemeinsamen Tanz dar. Dafür wäre es nötig gewesen, der Klägerin entsprechend Zeit zu geben, in den Tanz einzuwilligen oder diesen abzulehnen. Daher lägen auch keine für einen gemeinsamen Tanz in Betracht kommenden Haftungsbeschränkungen in Frage.

Der Beklagte wurde im Ergebnis zu einer Schmerzensgeldzahlung von 8.000 DM verurteilt.

Fundstelle:
OLG Hamburg, Urteil vom 05.11.1999 – 6 U 262/98

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