Die „Schmalspurjuristin“, die nicht fähig ist, auf der Klaviatur des Rechts „Hänschen klein“ zu klimpern

Ein 63-jähriger Rechtsanwalt aus Lahnstein (Rheinland-Pfalz) wurde vergangenen Mittwoch vom Amtsgericht Limburg wegen Beleidigung einer hessischen Amtsanwältin zu einer Geldstrafe von 3000 Euro (30 Tagessätze je 100 Euro) verurteilt.

Der Anwalt bezeichnete die Amtsanwältin – eine Mitarbeiterin der Staatsanwaltschaft – als „Schmalspurjuristin, die nicht fähig, sei auf der Klaviatur des Rechts auch nur „Hänschen klein“ zu klimpern.“ Der Anlass war eine Anzeige des Anwalts gegen einen LKW-Fahrer wegen Unfallflucht. Die Amtsanwältin hatte zuvor das Verfahren eingestellt.

Durch die harschen Worte des Anwalts in seinem Schriftsatz sah der Leiter der zuständigen Staatsanwaltschaft seine Mitarbeiterin beleidigt und zeigte den 63-Jährigen an.  Vor Gericht sagte der Anwalt, er sei sich keiner Schuld bewusst und auch er selbst sei schon häufig in Schriftsätzen als „Feld-, Wald- oder Wiesenanwalt“ bezeichnet worden. Der zuständige Richter schlug vor, der Anwalt solle sich bei der Amtsanwältin entschuldigen, um eine Geldstrafe zu vermeiden. Dies lehnte der 63-jährige Anwalt ab.

Amtsanwälte sind Justizbeamte, deren Aufgaben denen eines Staatsanwalts ähneln. Sie sind jedoch in der Regel nur für Verfahren mit geringer maximaler Strafandrohung zuständig. Die Einzelheiten unterscheiden sich je nach Bundesland. Weil aber eine Befähigung zum Richteramt für die Tätigkeit als Amtsanwalt nicht erforderlich ist, fühlen sich manche Volljuristen als höherwertiger und stellen dies offen zur Schau.

Fundstelle: 
LTO.de vom 26.03.2015

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