Mutter verweigert sich der Sommerzeit und landet mehrmals vor Gericht

Bereits dreimal seit Anfang der 90er-Jahre musste sich eine Allgäuerin vor dem Amtsgericht Lindau verantworten, weil sie die Umstellung auf die Sommerzeit ablehnte und ihre Kinder deswegen zu spät zur Schule schickte. Dadurch wurde die vierfache Mutter deutschlandweit zu einem Vorbild der damaligen Protestwelle.

Über Wochen brachte sie Ihre Kinder eine Stunde später in die Schule. Damit wollte sie die Kinder langsamer an das frühere Aufstehen gewöhnen. „Ich hätte meine Kinder aus dem Tiefschlaf reißen müssen, das habe ich nicht mitgemacht“, gab Ute Neu an.

Nach ihren eigenen Angaben fand sie bei den Lehrern dafür viel Verständnis, aufgrund der Schulpflicht landeten die Fälle aber schließlich vor Gericht. In einem ersten Verfahren wurde sie freigesprochen, der Richter zeigte Verständnis für ihre Haltung. Im Wiederholungsfall kam sie nicht mehr so gut weg: „Da musste ich die Hälfte des vorgesehenen Bußgeldes bezahlen, ein Jahr später dann voll, das waren glaub ich 1.000 Mark. Aber dann habe ich zum Richter gesagt, jetzt sind meine Kinder alt genug, dass sie das eher aushalten, darum sehen Sie mich hier nie wieder“, so Neu.

Für ihre rigorose Haltung erhielt sie aus ganz Deutschland Zuspruch. So wurde vor Ort eine Initiative gegründet, Unterschriften wurden gesammelt, gebracht hat es aber bis heute nichts. Wenn aber plötzlich ganze Schulen halb leer gewesen wären, hätte sich sicher was bewegt, meint Ute Neu auch heute noch.

Die Probleme seien geblieben und so würden ihr auch heute noch viele Eltern beipflichten. Es sei eben nicht einfach, die Kinder abends bei vollem Sonnenschein ins Bett zu bringen. Die Kleinen würden dann über Wochen an Dauermüdigkeit leiden. Zwar hat ihr Protesteifer seit damals etwas nachgelassen, doch eines ist für Ute Neu klar: Sie würde es wieder so machen.

Für die Frau aus Hergatz beginnt mit jeder Umstellung auf die Sommerzeit ein „monatelanges Gehirnjogging“. Denn auch heute noch weigert sich die 59-Jährige, ihr Leben nach der „staatlich verordneten Sommerzeit“ auszurichten. Dies wirkt sich auch auf den Alltag bei Terminen und Verabredungen aus, denn die Allgäuerin stellt die Uhr einfach nicht um.

Fundstelle:
br.de vom 27.03.2015

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  • Dr. Martin Radig

    Ich glaube, die BILD macht das so ähnlich: eine alte Kamelle aus dem Archiv fischen, schauen ob man das irgendwie „aktualisiert“ bekommt. Der Leser könnte kotzen.

    • Justillon

      Hallo Herr Radig,

      für aktuelle Meldungen haben wir die Kategorie „Nachrichten“. In der Rubrik „Kurioses“ präsentieren wir auch Fälle aus der Vergangenheit, die es nicht verdient haben, verschwiegen zu werden ;-).

      Sonntägliche Grüße
      Ihr Team von justillon.de

      • Raoul

        Und das ist definitiv herrlich. Tolle Seite!

  • Tim

    Ich bin jung und kannte den Fall nicht und kann mich deswegen auch über bereits Vergangenes und vor allem Unbekanntes freuen. ;-)