Sorgerechtsstreit um psychologisch betreuten Scheidungspudel Willy

Das Amtsgericht Bad Mergentheim musste 1996 „auf des Pudels Kern kommen“, genauer gesagt, einen Sorgerechtsstreit um einen damals acht Jahre alten Pudel zur Wohle des Pudels selbst und seines Herrchen und Frauchen entscheiden.

Frauchen hatte sich nämlich besagten Pudel nach der Scheidung zu sich genommen. Das fand das Herrchen weniger schön, wollte er doch auf seinen vierbeinigen Freund ungern verzichten und erhob deshalb Klage auf Herausgabe des Hundes, hilfsweise ihm ein Umgangsrecht mit Pudel Willy zuzugestehen.

Nach „gebührendem Austausch schriftlicher Argumente“ wurden die Positionen vor Gericht erläutert. Die Exfrau blieb standhaft und weigerte sich, ihrem Ex-Mann den Hund zu überlassen. Das Tier dürfe sich nicht „in seinen Bezugspersonen hin- und hergerissen vorkommen.“ Das würde auch den Interessen des Hundes am ehesten gerecht werden.

Allein aus juristischen Gesichtspunkten gesehen war das Problem nicht zu lösen. Das Amtsgericht musste klären, wie es den Willen des Scheidungspudels Willy hier zur Zufriedenheit aller berücksichtigen kann. Die Einholung eines tierpsychologischen Gutachten wurde angeordnet.

„Es erwies sich in der mündlichen Verhandlung als durchaus eindrucksvoll, dass der Hund W., nachdem er von der Leine genommen war, sich sofort zielstrebig zum Antragsteller begab, sich von diesem bereitwillig auf den Schoß nehmen ließ und dort deutliche Zeichen des Wohlgefallens von sich gab; z. B. leckte er das Gesicht des Antragstellers mehrfach ab.“

Unter „Anerkennung des Hundes als eines Mitgeschöpfes und der daraus sich ergebenden zwingenden Folge eines Verbotes, mit diesem Mitgeschöpf völlig willkürlich umzugehen“ entschied das Gericht:

a) Der Antragsteller hat das Recht, den Hund Wuschel, der sich bei der Antragsgegnerin befindet, zweimal monatlich zu sich zu nehmen, um mit ihm zusammen zu sein und auch spazieren zu gehen

b) Diese Begegnungen zwischen dem Antragsteller und dem Hunde finden jeweils am 1. und 3. Donnerstag eines jeden Monats in der Zeit von 14 bis 17 Uhr statt.

c) Der Antragsteller wird den Hund jeweils um 14 Uhr bei der Antragsgegnerin abholen und ihn dann bis spätestens 17 Uhr wieder dorthin zurückbringen.

Ob Pudel Willy mit dieser Lösung zufrieden ist oder weiterhin psychologischer Betreuung bedarf, geht aus dem Beschluss nicht hervor (AG Bad Mergentheim, 1 F 143/95).

Fundstelle:
Focus Online vom 26.07.2007
AG Bad Mergentheim, 19.12.1996 – 1 F 143/95

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