Im Supermarkt ausgerutscht – kein teurer Fisch zur Kühlung der Verletzung?

Das Amtsgericht in Schöneberg befasste sich mit einer Schadensersatzklage einer Frau, die in einem Supermarkt stürzte und sich dabei verletzte. Für das „Regulierungsverhalten“ des Supermarkts fand das Gericht weniger schöne Worte.

Zum Hergang des Unfalls führt das Gericht im Urteil aus:

„Im Bereich der Flaschenregale wich die Klägerin einem anderen Kunden aus, der einen Schritt zurück trat. Dabei rutschte sie in einer dort auf dem Boden befindlichen Pfütze aus, stürzte rücklings gegen einen Korb aus Metalldraht, an dem sie sich vergeblich festzuhalten suchte und schlug schließlich hart mit dem Kinn auf den Fußboden auf. Bei dem Sturz trug die Klägerin drei Hämatome auf dem Rücken von etwa drei mal vier Zentimetern davon und erlitt eine tiefe Fleischverletzung im Bereich zwischen Rücken und Brust; ihre Haut war in Form eines Dreiecks mit drei Zentimeter langen Schenkeln ausgerissen. Am linken Unterarm fanden sich eine drei Zentimeter lange offene Wunde sowie weitere Hämatome. Am Kinn bildete sich eine starke Schwellung, die rund fünf Wochen lang sichtbar blieb. Die am Oberkörper getragenen Kleidungsstücke der Klägerin wiesen im Bereich der Fleischwunde zwischen Brust und Rücken Risse auf. Es handelte sich um eine „Outdoor-Jacke mit hoher Wassersäule“, also eine Wind- und Regenjacke mit Innenfutter, des Herstellers „The North Face“ und ein T-Shirt der Marke „Designers“.“

Eine andere Kundin eilte der Klägerin mit einer Packung tiefgefrorenem Fisch zur Hilfe, um die Verletzungen zu kühlen. Schließlich kam eine Mitarbeiterin des Supermarktes hinzu, um den Unfall aufzunehmen. Dabei äußerte diese sinngemäß, dass ja nicht ein so teurer Tiefkühlfisch hätte benutzt werden müssen.

Die Klägerin verlangt ein Schmerzensgeld von mindestens 800 Euro, Schadensersatz für beschädigte Kleidung und Ersatz der Kosten für die Medikamente sowie vorgerichtliche Rechtsanwaltskosten, da der Supermarkt seine Verkehrssicherungspflicht verletzt hätte. „Eine Kontrolle des Bodens auf rutschige Stellen habe nicht stattgefunden; selbst nachdem eine Mitarbeiterin der Beklagten herbeigerufen worden sei, um den Unfall aufzunehmen, habe es noch zehn Minuten gedauert, bis diese erschienen sei. Außerdem sei die Fleischwunde am Rücken nur dadurch entstanden, dass die Beklagte an dem Warenkorb eine scharfkantige Schiene für Preisschilder angebracht habe, die immerhin drei Lagen der klägerischen Kleidung – die Außenseite der Jacke, das Innenfutter und das T-Shirt – durchdrungen habe.“

Die beklagte Gesellschaft, die den Supermarkt betreibt, beantragt Klageabweisung. So sei ca. 15 Minuten vor dem Unfall eine Mitarbeiterin an der Unfallstelle vorbeigekommen; zu diesem Zeitpunkt sei der Boden noch trocken gewesen. Außerdem habe es an dem Tag stark geregnet, sodass die Pfütze erst unmittelbar vor dem Unfall durch feuchtes Schuhwerk oder tropfende Regenschirme anderer Kunden entstanden sei. Die Klägerin verlangt Schmerzensgeld, Schadensersatz für beschädigte Kleidung und Medikamente sowie vorgerichtliche Rechtsanwaltskosten.

Der Klage wurde stattgegeben und der Klägerin ein Schmerzensgeld in Höhe von 1000 Euro sowie Schadensersatz in Höhe von 119,90 Euro für die beschädigten Kleidungsstücke und 8,43 Euro an Sachkosten für die Medikamente zugesprochen.

In den Urteilsgründen führt das Gericht aus, dass die beklagte Gesellschaft ihre Pflichten verletzte, indem sie es unterlassen habe, zumutbare Kontrollmaßnahmen zu ergreifen, um die Sicherheit ihrer Kunden zu gewährleisten. Die Beklagte hätte erkennen müssen, dass die auf dem Fußboden des Supermarktes befindliche Pfütze, die den Sturz der Klägerin vermutlich – und von der Beklagten nicht widerlegt – verursacht habe, eine Gefahr für den Kundenverkehr bedeutet habe.

Der Betreiber eines Ladengeschäfts habe, zumal an einem Regentag, regelmäßige Kontrollgänge oder gleichwertige Vorsichtsmaßnahmen vorzusehen und durchzuführen. Es sei aber nicht zu erkennen, dass sie überhaupt organisatorische Vorkehrungen zur Gefahrerkennung und – beseitigung habe. Dass eine Kontrolle stattgefunden habe, stellte sich als unwahr heraus.

Unter Berücksichtigung aller Umstände, u. a. der von der Klägerin erlittenen Verletzungen und des am eigenen wirtschaftlichen Vorteil orientierten Verhaltens der Beklagten nach dem Unfall sei ein Schmerzensgeld von 1.000,00 EUR angemessen.

Dabei kam das Gericht nicht umhin, eine mangelnde Empathie und hartnäckige Regulierungsverweigerung der Beklagten zu konstatieren. Dieses Verhalten begann unmittelbar nach dem Unfall mit der vollkommen deplazierten Bemerkung, es hätte doch auch ein billigerer Tiefkühlfisch zur Linderung der Schmerzen der Klägerin benutzt werden können. Das Verhalten setzte sich in der Regulierung fort.

Für die beschädigten Kleidungsstücke könne die Klägerin den Neupreis i.H.v. 128,33 EUR verlangen, da Gebrauchsspuren nicht zu erkennen gewesen seien.

Fundstelle:
rechtsindex.de vom 21.04.2015
Amtsgericht Schöneberg, Urteil vom 17.04.2015 – 17 C 113/14

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