Jäger erschießt Pferd statt Wildschwein – Waffenschein futsch!

Vor dem Verwaltungsgericht Berlin klagte ein Jäger gegen die Waffenbehörde. Diese hatte dem Jäger seinen Waffenschein entzogen, da er aufgrund einer fatalen Verwechslung ein Islandpferd erschossen hat.

Bei seiner Jagd im Sommer 2012 erschoss der Kläger ein Islandpferd, weil er dieses für ein Wildschwein gehalten hat. Die Waffenbehörde sah deshalb seine waffenrechtliche Zuverlässigkeit nicht mehr für gegeben und entzog dem Jäger seinen Waffenschein und die Berechtigung zum Muntionsbesitz.

Der Jäger jedoch wehrte sich gegen diese Entscheidung und klagte vor dem Verwaltungsgericht Berlin. Seiner Ansicht nach könne ein einziger Fehlschuss diese drastische Maßnahme nicht rechtfertigen. Ferner sei es zum entsprechenden Zeitpunkt bereits dunkel gewesen. Daher habe er das Pferd für ein Wildschwein gehalten.

Das Verwaltungsgericht aber bestätigte die Entscheidung der Waffenbehörde. Es sei bei der Jagd absolut unerlässlich, dass vor der Schussabgabe Klarheit über das gejagte Tier bestehe. Art, eventuell sogar auch Alter, Geschlecht und Körperzustand sind vor dem Schuss zu bestimmen. Dies hatte der Jäger missachtet, daher Waffen und Munition leichtfertig verwendet und somit sein Fehlen waffenrechtlicher Zuverlässigkeit unter Beweis gestellt. Der Kläger konnte ferner keine die Jagdsituation verkomplizierende Umstände darlegen. Auch habe er aufgrund der örtlichen Nähe zu einem Pferdehof mit dem Erscheinen eines Ponys rechnen müssen. Die Rechtfertigung, er hätte keine ausreichende Sicht gehabt, kann nicht gelten, da in einer solchen Situation von der Schussabgabe komplett abgesehen werden muss.

Das Strafverfahren wegen eines Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz gegen den Kläger wurde hingegen eingestellt.

Fundstelle:
VG Berlin, Pressemitteilung zum Beschluss vom 23.10.2013, 1 L 251.13

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  • Anonymous

    So, so ein Waffenschein?
    Nicht vielleicht eher eine Waffenbesitzkarte und/oder den Jagdschein? ;-)

    • Stefan Maier

      Hi Arno Nym,

      siehe Überschrift der verlinkten Pressemitteilung des VG Berlin auf der Webseite der Landeshauptstadt.

      Gruß!

      • raddi

        …was nur erklärt, dass sich ein Polizist (speziell in der Pressestelle) nicht zwangsläufig auch im Waffenrecht auskennt. Wenn die Meldung nicht von 2013 wäre, hätte ich denen jetzt schon kräftig in die Seite getreten…
        Jedenfalls ist ein „Waffenschein“ keine waffenrechtliche Erlaubnis, die bei Entzug den Umgang oder gar den Besitz von Waffen und Munition verhindert (was in den Urteil ja beabsichtigt ist). Ein Waffenschein ist lediglich die Erlaubnis, eine Waffe (die gemäß Waffenbesitzkarte besessen werden darf) in der Öffentlichkeit führen zu dürfen. Diese Erlaubnis dürfte ein Jäger kaum haben. Der Jagdschein wiederum erlaubt das führen im Jagdrevier.

  • noe

    Was hätte denn ein Jäger zu erwarten, der auf der rechten Straßenseite, in der Tür seines Golfes stehend, mit den Ellbogen auf dem Dach des Gold gelehnt, die Waffe auf das der Straße gegenüberliegende Feld gerichtet um da Hasen zu jagen, die u.U. vor dem Mähdrescher fliehen?

    Ist schon ein paar Jahre her, aber die Polizei wollte sich noch nicht einmal die Mühe machen sich das anzuschauen.

    Wir sind damals mit dem Campingmobil dort vorbeigefahren und lagen somit direkt in Schußhöhe…