Nacktjogger versuchte Verbot mit Nylonsocke am Penis zu umgehen

In Freiburg genoss ein Jogger den Sommer so, wie Gott ihn schuf. Völlig nackt und nur mit Turnschuhen an den Füßen und einem Nylonstrumpf über dem Penis. Den Behörden missfiel dies gänzlich. Deshalb wurde im verboten dies erneut zu tun. Eines Tages wurde er erneut erwischt, mit einer Nylon-Socke am Penis – ob dies ausreicht, musste ein Gericht entscheiden.

Als der Jogger das erste Mal erwischt wurde, warf man ihm Belästigung der Allgemeinheit gemäß § 118 des Ordnungswidrigkeitengesetzes, sowie Bedrohung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung vor. Nebst Straf- und Bußgeldverfahren wurde ihm verboten, sich erneut unbekleidet in Freiburg blicken zu lassen. Die Verbotsbewährung war mit einem Zwangsgeld bewährt.

Nachdem man den Sportler erneut erwischte, wurde das angedrohte Zwangsgeld gegen ihn verhängt. Dagegen setzte er sich zur Wehr und trug vor, er habe mit der Nylonsocke (in Hautfarbe) sein Geschlechtsteil verdeckt und sei daher nicht nackt gewesen.

Dies sah das Gericht anders. Sinn des Verbots sei es gerade gewesen, Mitbürgern ungewollte Blicke auf den Schambereich des Joggers zu ersparen. Eine hautfarbene Damenperlonsocke aus transparentem Nylonstoff, unter welcher sich beim Laufen die Konturen des Geschlechtsteils deutlich abzeichnen, sei dafür völlig unzureichend. Dies kommt dem Nacktsein so nahe, dass auch Zeugen ihn für nackt hielten. Dies tangiert nachhaltig das Anstands- und Schamgefühl der Passanten.

Das Gericht entschied damit, dass ein Verstoß gegen die Verbotsverfügung vorlag und der Jogger hatte das Zwangsgeld von 4000 DM zu bezahlen.

Fundestelle:
VGH Baden-Württemberg, Beschluss vom 03.09.2002 – 1 S 972/02

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  • derRösrather

    OmG .. was sind das für arme Socken die in der Nacktheit eines Mannes eine OWi sehen. Titten im frühen Abendprogramm (Bericht über Body-Painting) ist dagegen OK?

  • „Er trug dabei lediglich Schuhe und Strümpfe und hatte sein Geschlechtsteil in einen dehnbaren Damenstrumpf – eine über den Penis gestülpte Nylonsocke, deren Farbe und Transparenz das Amtsgericht offen ließ – gesteckt, der den Penis und auch die Hoden umschloss und bis an die Gegend der Schamhaare bzw. deren Örtlichkeit reichte, wobei diese Örtlichkeit jedoch sichtbar blieb; der Po des Betroffenen war jeweils völlig unbedeckt. Dieses Auftreten hat das Amtsgericht als grob ungehörige Handlungen i.S.d. §118 Abs. 1 OWiG angesehen.“ – Belästigung der Allgemeinheit – Oberlandesgericht Karlsruhe – Beschluss vom 28.02.2003

    „Der Anblick seines entblößten Gliedes war auch objektiv geeignet, einen anderen in seinem Empfinden nicht unerheblich zu beeinträchtigen, d. h. Abscheu, Ekel, Schock, Schrecken oder Verletzung des Schamgefühls hervorzurufen. … Die Rechtsbeschwerde des Betroffenen gegen das Urteil des Amtsgerichts Freiburg vom 20. Juli 1999 wird als unbegründet verworfen … .“ – Oberlandesgericht Karlsruhe – 2. Senat für Bußgeldsachen – 2 Ss 166/99 – 23 OWI AK 139/99 – Beschluss vom 04.05.2000

    Ich meine es waren 14 Quadratzentimeter Stoff, die vorhanden sein müssen wie ein Gericht letztlich feststellte.

    Ekel, Abscheu und Schrecken in 1700 facher Form kostet dann wieder gar nichts:
    Was in München Kunst ist, kann doch in Freiburg nicht verboten sein. 23.06.2012: „Etwa 1700 Menschen haben heute in München nackt für ein Fotoshooting des US-Künstlers Spencer Tunick posiert.“ – http://www.sueddeutsche.de/muenchen/kunstaktion-in-muenchen-nackt-rot-gold-1.1391489

  • OH NEIN! NACKT

    Wenn man keine Probleme hat, macht man sich welche…
    Rein theoretisch betrachtet: Hätte der betroffe Mann die lächerlichste und kleinste Unterwäsche getragen, die ihm ansonsten eingefallen wäre (die die 14cm² eingehalten hätte, wie ein weiterer Kommentar erwähnte), hätte das irgendwie mehr bedeckt? Aller wahrscheinlichkeit nach nicht, oder? Aber es wäre laut Gericht dann wohl zulässig gewesen.
    Erkennt man die Logik? Nicht? Gut, ich auch nicht.

    Zumal: Hat jemand mal Biologie-Unterricht gehabt? Wahrscheinlich, und sei es nun eine nackte Frau oder ein nackter Mann, es gibt wenig natürlicheres. Aber es könnte ja anstößig sein. Meine Güte… soll doch allen einfach egal sein sofern er sich nicht gerade in aller Öffentlichkeit selbst befriedigt. Sicher, ist auch irgendwo natürlich, aber SO weit schätze ich unsere Gesellschaft noch nicht ein.
    Wer will wetten, dass es sich entweder um eine ältere Dame oder eine etwas korpulentere, alleinerziehende, etwa mit-40er Singlemutter gehandelt hat? Nur um ein paar Möglichkeiten einzuwerden?
    Misandristin steht auch zur Auswahl.
    Aber man merkt wohl, dass ich nicht davon ausgehe, dass der Jogger anderen Männern (achtung, schlechter Witz) auf den Sack gegangen ist.