Asterix und Doctorix

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Warum leidet eine Frau, wenn ihr der akademische Grad „Doctor“ verliehen wird? Ist die weibliche Form von „Doctor“ eigentlich „Doctrix“, „Doctora“ oder „Doctox“? Und was hat das alles mit Asterix und Obelix zu tun? Fragen über Fragen, die auch die Justiz beschäftigen.

In einem vom Verwaltungsgericht Hannover (VG Hannover, Urt. v. 22.03.2000 – Az. 6 A 1529/98) entschiedenen Fall wurde einer Tiermedizinerin nach erfolgreichem Abschluss des Promotionsverfahrens der Grad eines „Doctor medicinae veterinariae“ verliehen. Glücklich war sie darüber nicht. Sie sah sich durch die „Verleihung des männlichen Titels doctor (…) dauerhaft und erheblich betroffen, weil sie mit ihm ein ganzes Leben lang existieren müsse“. Sie forderte daher von der Universität, dass ihr der „Grad einer Doctora medicinae veterinariae“ (Kurzform: Dr. a med.vet.)“ verliehen wird.

Vor Gericht biss sie mit diesem Ansinnen auf Granit. Zwar müsse die Promotionsordnung wegen der landesrechtlichen Vorgaben die „im Deutschen mögliche Bezeichnung „Doktorin“ enthalten“. Für „Doctora“ gebe es aber weder eine Rechtsgrundlage noch könne eine solche geschaffen werden. Denn im Lateinischen gibt es nur das Wort „doctor“, die Schaffung einer spezifisch weiblichen Form sei nicht möglich, weil Sprache „nicht zu beliebiger Disposition des Staates“ steht.

Zur Begründung führte das Gericht aus, dass „der Staat (…) die Sprache vor(findet). Jegliche Einwirkung auf Sprache muss eine Legitimation vorweisen können. Schon dieser Befund wirft die Frage nach der Rechtfertigung staatlicher “Wortschöpfung“ auf. Das Problem verschärft sich, wenn man in Rechnung stellt, dass die lateinische Sprache eine “tote Sprache“ ist (hierzu Frederick Bodmer, Die Sprachen der Welt, 5. Auflage, S. 362, 365), also nicht mehr als “Muttersprache“ eines Volkes gebraucht wird. Jegliche Einwirkung auf die Sprache würde sich dann als künstliche darstellen. Hierzu aber fehlt jedermann die Legitimation. Die Bundesrepublik Deutschland, ihre Länder und Körperschaften haben weder Recht noch Pflicht, die lateinische Sprache fortzuentwickeln. Eher werden sie gehalten sein, das Gewordene und Vergangene zu respektieren.“

Was aber wäre, wenn man die lateinische Sprache trotzdem weiterentwickeln würde? Könnte sich die Tiermedizinerin dann „Dotora“ nennen? Nein – meint das Verwaltungsgericht Hannover.

Denn es „ist zu bedenken, dass das, was die Klägerin will, die Regeln der lateinischen Sprache verlässt. Der lateinischen Endsilbe “-tor“, innerhalb deren die Endung “-or“ ein Masculinum bezeichnet (vgl. etwa Schumann, Kleine lateinische Formenlehre, 2. Auflage Frankfurt/M. 1948, S. 12), entspräche im Femininum die Endsilbe “-trix“, die man etwa im Wort obstetrix (Hebamme) findet.“ „Selbst bei bestehender staatlicher Sprachkompetenz“ wäre daher nicht die Bezeichnung „doctora“, sondern „doctrix“ die korrekte Bezeichnung.

Genau das möchte die Klägerin aber nicht. Sie „empfindet die regelgerechte Bildung “doctrix“ wegen der Assoziation zu Asterix und Obelix als unwürdig“ und befürchtet, dass eine solche Bezeichnung „die Trägerin der Lächerlichkeit preisgeben“ würde.

Das ist – wie das Verwaltungsgericht betont – „ihr gutes Recht“. Vielleicht ändert die Tiermedizinerin aber ihre Meinung, wenn sie sich einmal mit den Sprachideen des „Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterstudien“ und der „Arbeitsgemeinschaft Feministisch Sprachhandeln“ (sic!) an der Humboldt Universität zu Berlin auseinandersetzt. Dass „x-Endungen“ unwürdig sind und an die von René Goscinny und Albert Uderzo geschaffenen Comic-Figuren erinnern, wird dort jedenfalls nicht als Problem gesehen.

In einem von der genannten Arbeitsgemeinschaft herausgegebenen Sprachleitfaden wird vielmehr vorgeschlagen, dass bei Substantiven grundsätzlich – also auch bei deutschen Begriffen – „im Singular „x“, im Plural „xs“ an den Wortstamm der dazugehörigen Verbform angehängt“ wird, also „z.B. Studierx, Studierxs und Lehrx, Lehrxs“.

Der akademische Grad eines Doktors bzw. einer Doktorin wird nach diesen Vorgaben zu „Doktox“. Da man das „x“ als „ix“ aussprechen soll (also Doktoix), ist man vom Klang her schon recht nahe an dem Begriff „Doctrix“.

Allerdings geht es der „AG Feministisch Sprachhandeln“ – entgegen dem Ansinnen der Klägerin – gerade nicht darum geschlechtsspezifische Bezeichnungen zu finden. Im Gegenteil: „Das „x“ signalisiert ein Durchkreuzen herkömmlicher gegenderter Personenvorstellungen“ und soll „die sprachliche ZweiGenderung grundlegend herausfordern“.

Weitere Informationen könnte die Klägerin sicherlich von Lann Hornscheidt, „Mitarbeitx“ (sic!) am „Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterstudien“, erhalten. Da die Tiermedizinerin – ausweislich ihrer Klage – aber wohl noch immer in den Kategorien „Mann / Frau“ denkt, sollte sie vor einer Kontaktaufnahme unbedingt die in roter Schrift und teilweise in Fettdruck hervorgehobenen Hinweise auf der Internetseite von Lann Hornscheidt lesen:

„Wenn Sie mit Profx. Lann Hornscheidt Kontakt aufnehmen wollen, achten Sie bitte darauf, geschlechtsneutrale Anreden zu verwenden. Bitte vermeiden Sie alle zweigendernden Ansprachen wie „Herr ___“, „Frau ___“, „Lieber ___“, oder „Liebe ___“. Eine mögliche Formulierung wäre dann z. B. „Sehr geehrtx Profx. Lann Hornscheidt„.

Quellen:
http://feministisch-sprachhandeln.org/leitfaden/kapitel4/ – zuletzt abgerufen am 23.04.2015
https://www.gender.hu-berlin.de/zentrum/personen/ma/1682130/ – zuletzt abgerufen am 23.04.2015

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  • Hanswurst

    Was spricht gegen die Bezeichnung Doctor?
    Der Lateiner weiß, daß natürliches Geschlecht vor grammatischem Geschlecht geht. In lateinisch verfaßtem Schriftverkehr könnte die Frau dann die jeweils weibleichen Adjektiv-Fornmen verwenden, wenn es um sie selber geht.

  • Einzwo

    „dauerhaft und erheblich betroffen“

    Oh-ha, hoffentlich muss die niemals schnelle schwierige Entscheidungen treffen

  • Michel D.

    Sic transit gloria mundi :-D

    • FMH

      Si tacuisses, philosophus mansisses. Passt besser, im Falle der Frau Doktor. Weibliche Form natürlich, aber ich bin kein Lateiner.

  • wolf

    Professx Dr. Hornochs geb. Eselin
    vernaschte eine Kaiserschmarrin!
    Das war für Verdauung ein Unding,
    sie liegt auf Friedhof von Simmering.

    Statt Blumen steht auf ihrem Grab:
    Mit diesem -in ging`s mit mir bergab.
    Essen Sie weiterhin die Torte Sacher,
    mit -in wird das ein tödlicher Kracher.

  • Zufälliger Buchstabensalat


    Selten gesehen wie Jemand studiertes derart wenig Ahnung haben kann. Wenn man sich beschwert, sollte man schon wissen worüber und wieso. Und dem war hier NICHT so… Wie kann sojemand promovieren? War die Doktorarbeit eine Spartenporno für Sodomisten?
    Aber anscheinend geht der Anspruch in der Medizin runter. Es gab mal eine Zeit in der Latein zum Grundwissen dafür gehört hat. Tja… werte Dame hat ihr Latinum wohl bereits wieder vergessen.
    Mein Tier werde ich ihr nicht antrauen, und was immer diese Profx DigensXBummsx da macht… will ich gar nicht wissen. Das sind Momente wo ich mich frage: Hätte man solche Leute aus (West-)Deutschland raus halten können, hätten wir die Wiedervereinigung verhindert? Die Russen hätten ihren Heidenspaß damit…
    Und weil es so viel Spaß macht hinrverbrannte Spachverirrungen zu entwicklungen, damit es ja Geschlechtsunspezifisch bleibt, hier ein Haufen Buchstaben der absolut NICHTS mit irgendwas zu tun hat:
    NGUHWODBWFUDBZGZIWF

  • Elisa Silbe

    Falls es jemanden interessiert: Hornscheidt hat mittlerweile auf die Kritik reagiert, diese Formen seien eine Aneignung antirassistischen Sprachhandelns (Vgl. Malcom X) und benutzt entsprechend Formen wie Studentecs.