Einstellung gegen Auflage: 90-jähriger Ladendieb muss für 100 Euro einkaufen

Richter Mirko Schulte vom Amtsgericht Biedenkopf im Kreis Marburg-Biedenkopf kannte den Angeklagten. Bereits vor Jahren musste sich der damals 88-Jährige wegen des Diebstahls einer Schachtel Teufelskralle vor Gericht verantworten.

Im später zu entscheidenden Fall ging es wieder um eine Schachtel Teufelskralle. Die Teufelskralle wird vor allem bei Gelenkbeschwerden eingesetzt, worunter anscheinend auch der angeklagte Mann litt. Im damaligen Fall hatte der Rentner vorgebracht, er habe nur die Sicherheitsmaßnahmen des Ladens testen wollen.

Zum Zeitpunkt der neuerlichen Verhandlung im September 2010 war der Senior 90 Jahre alt. Zwei Verkäuferinnen beschuldigten ihn, eine Packung mit Teufelskrallen-Präparat entwendet zu haben. Der Warenwert belief sich lediglich auf 2,99 Euro. Auch in diesem Fall bestritt der Angeklagte den Vorwurf des Diebstahls, so hätte er hätte lediglich die Schachtel mit seinem Portemonnaie verwechselt und deswegen eingesteckt.

Wegen des zuvor bekannten Vorfalls konnte der Vortrag den Richter nicht wirklich überzeugen. Allerdings stimme er einer Einstellung des Verfahrens zu, wenn der Angeklagte innerhalb von zwei Monaten 100 Euro an eine Arthrose-Stifung überweist und für denselben Betrag Teufelskrallenpräparate in dem besagten Geschäft einkaufen würde. Die für 100 Euro zu erwerbende Menge würde für ungefähr ein Jahr reichen. Während dieses Zeitraumes wären daher alle Geschäfte vor Diebstahlversuchen von Teufelskrallentabletten durch den Rentner geschützt.

Wird die Auflage jedoch nicht erfüllt, so würde das Verfahren wieder aufgenommen werden. Ob der Rentner sich an diese Auflagen gehalten hat, ist jedoch nicht bekannt.

Fundstellen:
Hessische/Niedersächsische Allgemeine (HNA) vom 16.09.2010
recht-gehabt.de

 

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