12 Dinge, die Sie als Mandant von Ihrem Anwalt selten hören werden

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Ihre Interessen zu wahren, ist das wichtigste Ziel anwaltlichen Handelns. Allerdings haben Anwälte naturgemäß auch eigene Interessen. Mandanten sollten diese kennen. Denn diese 12 Sätze werden Sie wohl selten von Ihrem Anwalt hören, ohne vorher danach gefragt zu haben.

1. „Eigentlich brauchen Sie keinen Rechtsanwalt.“

Viele einfache Angelegenheiten können Sie selbst erledigen. Nutzen Sie das Web oder kontaktieren Sie Verbraucherschutzverbände, die Sie unterstützen können. Falls Sie nicht sicher sind, ob Sie es selbst machen können, fragen Sie Ihren Anwalt. Manchmal kann Ihnen diese Frage helfen, Geld zu sparen.

2. „Sie werden diesen Fall wohl nicht gewinnen!“

Anwälte haben nicht immer großes Interesse, nur solche Rechtsstreitigkeiten zu führen, die eine hohe Wahrscheinlichkeit haben, gewonnen zu werden. Auch dürfen nur in Ausnahmefällen Honorare vom Ausgang des Rechtsstreits abhängig gemacht werden. Anwälte erhalten also Ihr Geld auch, wenn Sie verlieren.

3. „Selbst wenn Sie diesen Fall gewinnen, wird es sich wohl nicht lohnen.“

Ein Rechtsstreit kostet: Rechtsanwaltsgebühren, Gerichtskosten und nicht zuletzt die von Ihnen investierte Zeit. So kann es sein, dass Sie am Ende zwar gewinnen, aber mit weniger dastehen, als vor der Klage. Haken Sie also vor Klageeinreichung bei der Fragen des Kostenrisikos im Erfolgsfall besonders hartnäckig nach.

4. „Ich bin kein guter Anwalt.“

Rechtsstreitigkeiten sind oft eine schwierige und komplizierte Angelegenheit. Oft steckt der Teufel im Detail. Manchmal verliert ein Anwalt die Lust, sich mit trockener Materie intensiv zu beschäftigen. Wirkt Ihr Rechtsanwalt unmotiviert, denken Sie über einen Wechsel der Kanzlei nach. Lieber eine Ende mit Schrecken als eine Schrecken ohne Ende.

5. „Ich lasse die Arbeit von Studenten oder Referendaren machen, stelle aber meine wesentlich höheren Stundensätze in Rechnung.“

Sie zahlen einen hohen Stundensatz. Es könnte aber sein, das die Arbeit nicht von dem Rechtsanwalt erledigt wird, von dem Sie glauben, er beschäftige sich mit Ihrem Fall.

6. „Ich nutze Musterformulare, werde aber so abrechnen, als würde ich alle Unterlagen neu erstellen.“

In vielen Fällen können Anwälte auf vorhandene oder bereits erstellte Muster und Vorlagen für Schriftsätze zurückgreifen. Mancher Anwalt, wird diese Abkürzung bei seiner Abrechnung wohl nicht berücksichtigen.

7. „Sie können über die Honorarforderung mit mir verhandeln.“

Fragen Sie nach der Möglichkeit, ob für Ihren Fall eine Pauschale vereinbart werden kann. So verhindern Sie am Ende mehr bezahlen zu müssen, als Sie ausgeben wollten.

8. „In diesem Rechtsgebiet habe ich wenig Erfahrung.“

Viele Anwälte empfehlen Kollegen mit Spezialkenntnissen oder mehr Erfahrung in dem konkreten Rechtsgebiet. Manche tun das aber auch nicht, weil sie jeden Fall aus wirtschaftlichen Gründen annehmen müssen.

9. „Jedes Mal, wenn Sie mit mir sprechen, kostet es Ihr Geld.“

Grundsätzlich werden auch Gespräche mit Ihnen als Mandant im Rahmen einer Honorarvereinbarung auf Stundenbasis abgerechnet. Natürlich erklärt Ihnen Ihr Anwalt auf Wunsch Ihren Fall ausführlich bis ins kleinste Detail.

10. „Die abgerechneten Stunden, sind nur eine grobe Schätzung.“

Die Dokumentation einer minutengenauen Abrechnung ist aufwendig. Manchmal unterbleibt diese und wird am Ende nur über den Daumen gepeilt. Das Honorar könnte daher höher ausfallen, als es die geleisteten Stunden es tatsächlich hergeben.

11. „Eigentlich habe ich für Ihren Fall gar keine Zeit.“

Manche Anwälte sind durch aktuelle Fälle bereits voll ausgelastet, wollen aber Ihr Mandat noch mitnehmen. Man kann sich denken, dass es dann zu einer optimalen Betreuung Ihrer Angelegenheit nicht reicht.

12. „Ich kämpfe mit allen Mitteln für Sie, aber es wird nicht viel helfen.“

In der Tat dienen viele aggressive Aussagen nur dazu, den eigenen Mandanten zu beeindrucken. Richter und gegnerische Anwälte hingegen durchschauen solche Taktiken und nehmen diese nicht sonderlich ernst. In vielen Fällen können zu aggressive Anwälte mehr Schaden anrichten als Sie Nutzen bringen.

Ein Beitrag von Wolfgang Herfurtner
Rechtsanwalt Wolfgang Herfurtner bietet rechtliche Beratung in den Gebieten Bank- und Kapitalmarktrecht und Gesellschaftsrecht. Die zivil- und wirtschaftsrechtlich ausgerichtete Rechtsanwaltskanzlei berät Bankkunden, Privatanleger und Unternehmen bundesweit.

Webseite: http://kanzlei-herfurtner.de
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  • sinnfrei

    13. „ich schreibe im Internet 12 völlig sinnfreie Verallgemeinerungen, ärgere mich aber jedes mal wenn man mich mit ‚den Anwälten‘ in einen Topf wirft“

  • Rolf Schälike

    14. Ich habe kein Interesse, mehrere Verhandlungen zu führen, denn dafür gibt es nach RVG kein Honorar.

    15. Beweisverhandlungen kommen für mich so gut wir nicht in Frage, diese bezahlt mir niemand.

    16. Die Richter und Richterinnen wegen deren groben Fehlern, Faulheit und Willkür zu kritisieren, erlaube ich mir nicht, denn ich habe noch andere Mandanten, da möchte ich gewinnen.

    17. Ich darf nach der Rechtsanwaltsordnung den Gegenanwalt nicht auf seine offensichtlichen Fehler, die er seinem Mandanten gegenüber macht, nicht öffentlich – so dass es sein Mandant erfährt – hinweisen. Werde ich auch nicht tun.

    18. Bei Verfügungsverfahren werde ich darauf drängen, Widerspruch einzulegen und sollten wir verlieren, dann werde ich empfehlen, Berufung einzulegen. Ist zwar sinnlos, weil Verfügungsverfahren Schnellverfahren sind und die Richter sich mit ihren Urteilen für das Hauptsacheverfahren damit schon festlegen, aber ich verdiene dabei mehr. Sie haben ja das Geld.

    19. Mir ist es egal, ob sie Zeit, Geld und viel Nerven verlieren. Mein Geschäft ist für mich das Wichtigste.

    20. Ich telefoniere mit den Richtern/Innen und berichte Ihnen darüber nichts oder nur teilweise. Dasselbe betrifft die Gespräche mit dem Gegenanwalt.

    21. …

    22. …
    …..

  • Tristana

    Gerade heute wieder einen Fall gehabt, wo wir wieder beraten haben. Widerspruch gegen Mahnbescheid – nach unserer Frage, ob die Forderung denn berechtigt sei, kam unerwartet ein „Naja, eigentlich schon.“ – da haben wir dann natürlich davon abgeraten, Widerspruch einzulegen oder sogar uns damit zu beauftragen. Nun ja, so schnell können ca. 30,00€ Hauptforderung mal ganz viel mehr werden. :^)