Opfer im Prozess wegen versuchten Mordes: Messer im Rücken „war doch keine große Sache“

Ungewöhnlich klangen die Worte eines Mannes, der Opfer einer heftigen Messerattacke seiner Freundin wurde. Acht Zentimeter tief steckte das Fleischermesser zwischen den Schulterblättern. Den Behandlungsunterlagen zufolge hatte der Mann es nur dem Zufall zu verdanken, dass die Verletzung nicht lebensgefährlich war.

Das Messer verfehlte nur knapp die Lunge und blieb an der Wirbelsäule stecken. Sowohl bei der polizeilichen Vernehmung als auch auf dem Gerichtsflur in Köln ist der seit Jahren alkoholabhängige Mann der festen Überzeugung „das war doch keine große Sache“.

Auf der Anklagebank des Schwurgerichts sitzt Diane K., ebenso wie ihr geschädigter Freund 47-Jahre alt, und sagt unter Tränen aus: „Es war ein schrecklicher Anblick. Ich dachte, er verblutet“. Die Tat spielte sich im  März vergangenen Jahres ab. Während ihr Freund vor dem TV-Gerät saß, nutzte Diane K. die Arg- und Wehrlosigkeit des späteren Opfers aus und stoß mit einem Fleischermesser in den Rücken des Mannes. Das Opfer rannte auf die Straße und wartete dort auf den Notarzt, auch die Polizei verständigte er zuvor noch selbst. Die Anklage: Versuchter Mord.

Dabei habe er seiner Freundin „längst verziehen“, sagt er, offensichtlich etwas betrunken. Diana K. gesteht die Tat, nicht ohne ausdrücklich zu erwähnen: „Ich wollte ihn nicht töten.“ Sie wollte ihn auch einmal spüren lassen „wie das ist, wenn man dem anderen weh tut“. Am Tag des Geschehens gab es bereits tätliche Auseinandersetzungen, das Opfer habe ihr nicht zum ersten Mal Ohrfeigen verpasst, heftigst geschlagen und in den Unterleib getreten. Selbst als die Angeklagte in Untersuchungshaft genommen wurde, verschaffte sich der Mann noch Zutritt zur Wohnung. Als ein Bekannter ihn rausschmeißen wollte, stieß der Mann ihn vom Balkon. Die Folge: Beckenbruch. Gewalt scheint dem Opfer nichts außergewöhnliches zu bedeuten.

Das Paar lernte sich Ende 2013 in der Drogenszene kennen, auch die Angeklagte (geschieden, zwei Kinder) ist seit Jahrzehnten Alkoholikerin und lebt von Sozialhilfeleistungen. Auf die Frage der Richterin, warum es „eine Beziehung aus dem Milieu sein musste“, antwortet die Angeklagte, er habe „ein gutes Herz und konnte gut zuhören“. Dabei hatte sie aber zuvor schon viele schlechte Erfahrungen mit Männerbekanntschaften und Alkohol gemacht.

Fundstelle:
Kölner Stadt-Anzeiger vom 17.06.2015

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