Regensburger Rentner klaut Kaugummi – 1500 Euro Strafe

In Regensburg hat ein 65-jähriger Rentner eine Packung Kaugummi im Wert von 1,49 Euro gestohlen. Dafür muss er nun 1500 Euro Strafe bezahlen.  

Der schlaganfallgeschädigte Mann sagte vor Gericht aus, er habe schlichtweg vergessen, die Ware zu bezahlen. Das nahm ihm das Amtsgericht Regensburg nicht ab, insbesondere deswegen, weil ein Überwachungsvideo beweisen konnte, dass er sich, bevor er den Kaugummi in seine Tasche steckte, genau umschaute, ob er beobachtet wird.

Zuvor stellte der Supermarkt Strafantrag, nachdem ein Ladendetektiv den Rentner überführen konnte – dabei hatte der Rentner ein Taschenmesser dabei.  „Das hab ich seit 15 Jahren da dran“, sagte der Angeklagte. „Damit schneide ich mir immer mein Obst.“ Er habe früher mal selbst bei einem Discounter gearbeitet, und mit dem Klappmesser mit 9 cm langer Klinge „die Verpackungen aufgeschnitten“.

Diebstahl und Taschenmesser – das wirkt sich gleich dramatisch auf die zu erwartende Strafe aus. Deshalb lautete der Tatvorwurf „Diebstahl mit Waffen“, Mindeststrafe 6 Monate Haft.

Der Angeklagte konnte dem Gericht eine Bescheinigung vorlegen, dass seine Gehirnfunktion wegen des Schlaganfalles zu 50% beeinträchtigt ist, dazu hat er laut des ärtzlichen Attests eine Seh- und Hörbehinderung. Kommentar der Richterin dazu: „„Es liegt eine gewisse Beeinträchtigung vor. Aber das heißt nicht, dass Sie sich gar nichts merken können!“.

Im Ergebnis verhängte Richterin Dr. Blankenhorn 100 Tagessätze zu je 15 Euro. Sie ging wegen des geringen Warenwertes und da es sich bei dem Messer um einen „Alltagsgegenstand“ handele, von einem minderschweren Fall aus. Die Staatsanwältin forderte in ihrem Plädoyer 120 Tagessätze. Am Ende der Verhandlung fragte der verzweifelte Rentner, wo er denn dieses Geld hernehmen solle. Einen Verteidiger konnte er sich nicht leisten und muss nun auch die Verfahrenskosten tragen. Der Mann war übrigens nicht vorbestraft – 2010 wurde ein Diebstahlsverfahren gegen ihn gegen Zahlung einer Geldauflage von 150 Euro eingestellt.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Fundstelle:
Mittelbayerische.de vom 15.06.2015

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  • Django

    Die Höhe der Tagessätze (15 Euro) könnte ein Problem sein, wenn das Einkommen des Angeklagten – wie im Originalartikel erwähnt – tatsächlich nur 196,50 Euro beträgt.
    In einem Jura-Spezial-Blog sollte allerdings auch bekannt sein, dass gegen Personen, die Sozialleistungen beziehen, die Verfahrenskosten nicht vollstreckt werden können.

    • Im Grundsatz trägt er die Verfahrenskosten. Ob diese – sollte er sie nicht freiwillig irgendwie bezahlen – vollstreckt werden können, steht auf einem anderen Blatt, ist hier aber eher unwahrscheinlich, das stimmt. Danke für Ihren Kommentar!

  • Non Nomen

    Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

    Und das wird es auch hoffentlich nicht.

    Fiat iustitia, ruat caelum?