Sexuelle Belästigung mit Bananensplit führt zur Kündigung

Damit hatten vier Altenpflegerinnen aus Basel wohl nicht gerechnet, als sie ihre Chefin beim Verzehr eines Desserts fotografierten. Bei einem gemeinsamen Essen entstand ein Foto, welches später ausschlaggebend für eine Kündigung aller vier Pflegerinnen war.

Zusammen mit ihrer Stationsleiterin waren im Januar vier Pflegerinnen des Alters- und Pflegeheims Schlossacker Binningen im amerikanischen Restaurant „Papa Joe’s“ in Basel zum „Abteilungsessen“. Dort finden auch regelmäßig Polterabende statt, die Speisekarte hält deswegen die ein- oder andere Überraschung für spaßige Abende bereit.

Nach Angaben der „Basler Zeitung“ schien der Abend für alle eine  fröhliche Feier zu sein. Vom Kellner soll deswegen eine besondere Dessert-Empfehlung an die Gruppe herangetragen worden sein: Ein speziell dekorierter Bananensplit. Die Banane wird aufstehend serviert mit etwas Sahne an der Spitze. Bestellt wird dieses Dessert meist an Polterabenden.

„Der Coupe war bei unseren Gästen bisher immer ein Erfolg. Und auch diese Damen fanden es lustig“, äußerte sich das Servierpersonal gegenüber der Zeitung. Auf Aufforderung der vier Pflegerinnen biss die Chefin auch in den „süssen Phallus“. Es schien ihr nicht unangenehm zu sein, die Vorgesetzte ließ sich auch dabei ablichten.

Später folgte dann die Ernüchterung: „Es ist mir erst im Nachhinein bewusst geworden, dass ich nicht nur einfach in eine Banane gebissen habe. Aber als ich bemerkte, wie ich da vorgeführt wurde, ist in mir alles hochgekommen. Ich konnte nicht mehr mitmachen», erklärt sie der Zeitung. Die Angestellten wurden aufgefordert, die Fotos umgehend zu löschen. Dem sei auch nachgekommen worden.

Doch damit nicht genug. Die Chefin unterrichtete den Heimdirektor von dem „Vorfall“. Dieser reagierte sofort und sprach eine fristlose Kündigung gegen die vier Pflegerinnen wegen sexueller Belästigung aus. Gegenüber der Zeitung führte er aus: „Wenn sich jemand belästigt fühlt, stehen wir in der Fürsorgepflicht und müssen dem nachgehen“. Dabei seien solche Vorfälle im Pflegebereich besonders heikel. Darüber hinaus gehe er davon aus, dass die Pflegerinnen den Bananensplit bewusst bestellt hatten.

Die Stationsleiterin ist der Auffassung, man hätte diese Angelegenheit auch anders regeln können, z.B. mit einer Mediation. Trotzdem sei sie froh über den Schritt, da sie sich mit zwei der vier Pflegerinnen eine Zusammenarbeit nicht mehr vorstellen könnte. Der Heimdirektor stimmt zu: „Die Vorgesetzte war in ihrer Würde verletzt. Eine weitere Zusammenarbeit war für mich unter diesen Umständen schwer vorstellbar.“

Das Personal des Restaurants hingegen reagiert geschockt auf die Nachricht: „Unser Kellner ist aus allen Wolken gefallen, als er von den fristlosen Kündigungen hörte. Noch nie hat sich ein Gast wegen unseres lustigen Coupes beklagt“ berichtet Brand Manager Grischa Cassini. Der Heimdirektor sah sich aber nicht veranlasst, die Entscheidung aufzuheben. Er änderte die Kündigung aber in eine ordentliche, zudem sollen die Pflegerinnen eine Entschädigung und ein gutes Arbeitszeugnis erhalten. Drei von ihnen sind mittlerweile wieder in einem Arbeitsverhältnis.

Fundstelle:
20min.ch vom 21.06.2015

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