Streit um nicht bezahlten Sauerbraten landete vor Gericht

Das Amtsgericht in Auerbach (Sachsen) musste 2002 über die Klage einer Gastwirtin gegen eines Gastes entscheiden, weil dieser seinen bestellten Sauerbraten nicht bezahlen wollte.

Der Gast – seines Zeichens vom Beruf Restaurantfachmann – beschwerte sich, die Soße sei zu hell, mehlig und nach Schwein schmeckend. Außerdem sei das Rotkraut verkocht gewesen. Am Rinderbraten selbst und an den servierten Klößen hatte er jedoch nichts auszusetzen.  Trotzdem ließ er die gesamte Bestellung zurückgehen und verweigerte die Zahlung.  Auf die Kritik des Gastes hin wurde die Wirtin sauer und fühle sich in ihrer Ehre gekränkt. Zudem sah sie den – aus ihrer Sicht – bisher guten Ruf ihres Restaurants in Gefahr.

Nachdem sie zunächst die Polizei rief und diese ihr geraten habe, das Gericht vorübergehend von der Rechnung zu streichen, um den offenen Betrag von ca. 7 Euro (13,80 DM) später einzuklagen, tat sie das dann auch.

Auf Antrag der Gastwirtin bestellte das Gericht als Sachverständigen einen Kochausbilder, der aber auch nicht viel zur Klärung des Falles beitragen konnte, weil der damalige Sauerbraten verständlicherweise Monate später nicht mehr vorhanden war.  Es wurden noch zwei Zeugen vernommen, die vom reklamierten Essen angeblich probiert haben sollten. Diese machten aber unterschiedliche Aussagen: Der Freund des Gastes bestätigte den Mangel, während der Freund der Wirtin die Bestellung einwandfrei fand.

Damit konnte die klagende Wirtin nicht nachweisen, dass der von ihr servierte Braten mangelfrei war.  Die Klage wurde im Ergebnis abgewiesen. Damit musste die Klägerin nicht nur auf die 7 Euro verzichten, sondern auch die gesamten Kosten des Rechtsstreits tragen.

Fundstelle:
RA-Kotz.de

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  • Tim

    Verstehe ich nicht. Weshalb muss die Wirtin die Mangelfreiheit nachweisen? Der Kunde müsste doch in der Beweislast sein wenn er einen Mangel behauptet?

    • Alex

      Ganz einfacher Grundsatz des Zivilprozessrechts: Wer einen Anspruch geltend macht, muss dafür dem Gericht die Beweise vorlegen. Die Wirtin wollte die ihr vermeintlich zustehenden 13,80 DM haben und hat geklagt, also war sie in der Beweispflicht. Da sie das Gericht nicht überzeugen konnte, wurde die Klage abgewiesen.

      • Tony

        Der Grund warum hier die Beweislast bei der Wirtin ist, liegt darin, dass es sich um einen Bewirtungsvertrag handelt, der unter anderem werkvertragliche Elemente enthält: Bis zur Abnahme des als mangelfrei gebilligten Werkes trägt die Wirtin die Beweislast dafür, dass das Essen mangelfrei war. Erst ab der Abnahme der Gast. In diesem Fall erfolgte keine Abnahme des mangelfreien Sauerbratens. Problematisch ist natürlich, dass der Wirt vor Abnahme schwierig beweisen kann, dass das Essen mangelfrei war. Daher wird das Problem in der Praxis oftmals durch Nacherfüllung gelöst.