Verkehrsunfall verursacht, weil sich die Kaffeekanne hinter dem Bremspedal verfangen hat – Haftung?

Eine außergewöhnliche Verkettung unglücklicher Umstände führte nicht nur zu einem LKW-Unfall, sondern in der Berufungsinstanz auch vor das Oberlandesgericht Köln. Dies musste über die Frage entscheiden, ob die Kaskoversicherung den beglichenen Schaden vom LKW-Fahrer einfordern kann, nachdem dieser aufgrund einer umherfliegenden Kaffeekanne einen Unfall verursacht hatte.

In dem entschiedenen Fall war der LKW-Fahrer eines Fuhrunternehmens bei regnerischem Wetter unterwegs. Auf seinem Beifahrersitz lag eine Tasche, in der sich u.a. eine Kanne mit Kaffee befand. Diese Kaffe-Kanne wurde dem Fahrer zum Verhängnis. Die Regenschauer wurden stärker, so dass der Fahrer sein Gefährt abbremsen musste. Aufgrund dieses abrupten Bremsmanövers flog die Tasche in den Fußraum.

Die darin befindliche Kaffe-Kanne fiel unglücklicherweise aus der Tasche und landete dort, wo sie am wenigsten gebraucht wird, nämlich hinter dem Bremspedal. Vergeblich versuchte der Fahrer noch, die feststeckende Kanne mit dem Fuß zu verschieben. Schließlich wollte er es mit der Hand probieren – doch in diesem Moment verriss er das Lenkrad und verlor die Kontrolle über den Lastwagen. Es kam zum Unfall, bei dem der LKW erheblich beschädigt wurde.

Zwar kam die Kaskoversicherung des Fuhrunternehmens für den Schaden auf, verklagte aber ihrerseits den glücklosen Trucker auf Ersatz ihrer Aufwendungen. Während die Klage vor dem Landgericht in erster Instanz nur teilweise Erfolg hatte, sprach das Oberlandesgericht in der Berufung die komplette Summe zu. Der LKW-Fahrer habe den Verkehrsunfall grob fahrlässig verursacht. Er hätte sich während der Fahrt nicht bücken dürfen, weil dabei immer die Gefahr bestehe, das Steuer zu verreißen.

Aufgrund des hier vorliegendes Umstandes, dass die rechte Fahrspur allein befahren wurde, so dass auch vor dem LKW keine anderen Fahrzeuge waren, hätte der Fahrer nach Ansicht der Richter gefahrlos mit dem Motor und durch Einlegen kleinerer Gänge abbremsen und die Feststellbremse anziehen können, um die Kanne risikolos zu entfernen. „Diese zutreffende Verhaltensweise liegt so offen auf der Hand, dass dem Beklagten vorgeworfen werden muss, außer Acht gelassen zu haben, was einem jeden unmittelbar einleuchtet“, so die Richter. Das Gericht machte es dem Fahrer zudem zum Vorwurf, dass er Tasche und Kanne überhaupt ungesichert auf den Beifahrersitz gestellt hatte. Er hätte voraussehen können, dass sie beim Bremsen herunterfallen würden und er dadurch in eine gefährliche Situation geraten könnte. Dies sei zwar nicht grobe, aber einfache Fahrlässigkeit.

Fundstellen:
OLG Köln – Az.: 26 U 49/99
LG Bonn – Az.: 13 O 170/99
autokiste.de vom 12.10.2000
ra-kotz.de vom 07.10. 2013

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