Wem gehört die Sonne? Ebay-Streit landet vor Gericht

Ebay ist nicht nur ein äußert beliebter Marktplatz für Raritäten, sondern hält mitunter auch kuriose Angebote bereit. Nicht immer ist Ebay mit solchen Kuriositäten einverstanden. So auch in dem vorliegenden Fall, in dem sich eine spanische Verkäuferin und Ebay vor Gericht treffen werden, nachdem Ebay Angebote der Verkäuferin entfernt hat. Die Frau hatte Grundstücke auf der Sonne über Ebay versteigert.

Maria Angeles Duran, so heißt die 54-jährige Spanierin, die auf dem weltweiten Marktplatz Grundstücke auf der Sonne anbot und mit der Reaktion von Ebay gar nicht einverstanden ist. Der Konzern entfernte die Angebote mit der Begründung, dass nur Gegenstände verkauft werden dürfen, die es wirklich gibt. 2014 zog sie schließlich vor Gericht, mit dem Einwand, Ebay begehe durch die Entfernung der Artikel eine Vertragsverletzung. Nach Angaben der spanischen Zeitung „La Voz de Galicia“ soll der Fall dieses Jahr verhandelt werden. Wenn Duran vor Gericht scheitert, hätte sie die Verkäufergebühren vergebens aufgewendet. Auch Schadenersatz wird gefordert, da Ebay sie mit dieser – ihrer Meinung nach nicht zulässigen – Handlung hindere, ihren Erwerb zu sichern.

Nach Informationen spanischer Medien wollte Duran die Einnahmen weitgehend wohltätigen Zwecken zuführen. Darüber hinaus will sie mit dem Verkauf auf den Umstand hinweisen, dass auch irdische Güter, die eigentlich allen zustehen müssten, von Industrie und Handel verkauft werden.

Juristisch ist das Weltraumrecht noch weitestgehend frei von umfassenden Regelungen. Nicht zuletzt deshalb fand vor kurzem in Köln eine Tagung unter dem gleichnamigen Motto „Wem gehört der Mond?“, statt, bei der Rechtswissenschaftler aus aller Welt forderten, zeitnah rechtliche Weichen für den Weltraum zu stellen und Klarheit zu schaffen. Bereits jetzt gibt es den sogenannten Weltraumvertrag aus dem Jahre 1967, basierend auf einer Erklärung der Vereinten Nationen, wonach Regierungen Himmelskörper, damit auch die Sonne und den Mond, nicht einfach für sich beanspruchen dürfen. Artikel 2 dieses Vertrages lautet: „Der Weltraum einschließlich des Mondes und anderer Himmelskörper unterliegt keiner nationalen Aneignung.“ Für Privatpersonen entfaltet dieses Vertrag aber keine Wirkung. Duran war deshalb die erste, die mittels notariell beglaubigter Besitzurkunde Eigentumsrechte an der Sonne geltend machte.

Damit steht sie auch nicht alleine da. Der Amerikanter Dennis Hope verfuhr genauso mit dem Mond  sowie den anderen acht Planeten des Sonnensystems, deren Monde inkludiert.  Hope bot seit den Neunzigerjahren entsprechende Grundstücke an.

Noch komplexer wäre die Angelegenheit, sollte einmal zu klären sein, wie mit Ansprüchen etwaiger fremder Zivilisationen an Planeten im Spannungsverhältnis irdischer Ansprüche umgegangen werden müsste.

Interessenten haben die Möglichkeit, auf der privaten Homepage von Duran Sonnengrundstücke zu erwerben. Erfreulich dürfte hierbei sein, dass es sich keineswegs um Mondpreise handelt: Für den Quadratmeter verlangt Duran lediglich einen Euro.

Fundstelle:
sueddeutsche.de vom 05.06.2015

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